Archiv für den Monat: Mai 2013

Whisky Tastings in Hamburg

Ich selbst wohne in Hamburg (ob man da schon Hamburger ist, da streiten sich die Gelehrten, gebürtiger oder geborener Hamburger bin ich in jedem Falle nicht und Hanseat oder Pfeffersack sowieso nicht) und bin regelmäßig an Whisky Tastings interessiert und veranstalte eigene Tastings mit Freunden, die keinen Anspruch an Professionalität haben. 

Regelmäßige (professionelle) Tastings in Hamburg

Gerne will ich auch an professionellen Tastings teilnehmen, nur ist mir das in dem letzten Jahr noch nicht gelungen. Aber das liegt sicherlich nicht an der Auswahl. Hier möchte ich eine kleine Auswahl an regelmäßig stattfindenden Tastings vorstellen, sicherlich ist dies nicht ganz vollständig, falls euch ein Tasting in Hamburg fehlt, dann sagt mir gerne per Email Bescheid (fabian.piotrowski[at]gmail.com) und ich aktualisiere den Blog.

Whisky Tasting bei Otto Hatje Zigarren

Beim letzten Zigarrenmacher aus Hamburg finden im Monat bis zu vier Tastings im kleinen Kreise statt. Jedem Gast werden dabei fünf bis sechs Whiskys gereicht (meistens Scotch Single Malt). Zusätzlich wird auch noch eine Zigarre geraucht, die den Whisky ergänzen soll. Für absolute Nichtraucher ist dieses Tasting also vielleicht nicht zu empfehlen. Der Kostenbeitrag liegt bei moderaten 30 € (Stand Mitte 2013).

Die Tastings haben oft eine einzelne Brennerei oder eine bestimmte Region zum Thema, beispielsweise wurden im April 2013 die Reihe der Brennerei Tomatin verkostet.

Um an Tasting Termine, die fast immer an einem Donnerstag oder Freitag liegen, zu gelangen empfehle ich im laden in der Alten Königstraße 5 in Hamburg-Altona vorbeizuschauen und nachzufragen, direkt anzurufen oder eine Email zu schicken. Die Mailadresse und Telefonnummer findet ihr auf www.ottohatje.de (ich möchte die Emailadresse hier nicht posten, Spam und so). Es ist nicht immer ganz einfach einen Termin zu erhalten, ich hab es im April zum Beispiel nicht geschafft, aber es soll sich in jedem Fall sehr lohnen!

EDIT: Ich kann sagen, dass es sich sehr lohnt. Der „Malzmann“ macht die Tastings Einsteigerfreundlich und die Atmosphäre ist fröhlich und man fühlt sich gut aufgehoben. Zudem bekommt man auch was für sein Geld. Ein absolutes Erlebnis war das Blind-Tasting Ende des letzten Jahres. Man wundert sich, was man erkennt und wo man sich irrt. Wirklich fantastisch.

Whisky Tastings bei der VHS Hamburg

Die Volkshochschule Hamburg bietet in unregelmäßigen Abständen Whiskytastings in verschiedenen Standorten der VHS an. Die Tastings haben einen eher akademischen Hintergrund und werden von Vorträgen begleitet. So gab es eine Probe, welche den Einfluss von Eiche zum Thema hatte und verschiedene Fasstypen erläuterte und passende Whiskys dazu bot. So konnte auch japanische Eiche in einem japanischen Single Malt probiert werden und auch die Lagerdauer geschmacklich eingeordnet werden.

Auch dieses Tasting konnte ich persönlich noch nicht besuchen, ein Freund berichtete mir aber, dass die Veranstaltung wohl wirklich interessant und spannend war. Der Kostenbeitrag liegt bei etwa 35 € und es werden circa 6 Whiskys gereicht. Die Termine finden sich auf der Webseite der VHS Hamburg, je früher man bucht, desto eher erhält man einen Termin, die Teilnehmerzahl liegt bei etwa 20.

Whisky Tasting beim Getränke-Paradies Wolf

Der Getränkemarkt Wolf in der Schanzenstraße 7 in Hamburg (Stadtteil Sternschanze) hat neben einer großen Auswahl an Spirituosen und Weinen auch etwa einmal im Monat ein Tasting im Angebot. Neben Whisky und Whiskey werden auch Rums oder Cognacs verkostet, dies ist je nach Termin im Voraus bekannt. Im Juni 2013 wird beispielsweise ein „World Whisk(e)y“ Tasting stattfinden. Die Veranstalter haben je nach Thema einen anderen „Dozenten“ eingeladen, der durch den Abend führt.

Die Kosten sind je nach Termin unterschiedlich, das World Whisk(e)y Tasting soll einen Kostenbeitrag von 48 € erfordern. Die Anmeldung erfolgt über ein Formular, welches man sich zusenden lassen kann (Kontakt per Email oder Telefon) oder auf der Webseite des Unternehmens.

Whisky Tasting in der Bar Christiansen’s in Hamburg

Die Bar Christiansen’s in unmittelbarer Nähe zum Hamburger Fischmarkt (Pinnasberg 60) ist für ihre sehr große Auswahl an Single Malt Whiskys bekannt. Die Bar bietet in unregelmäßigen Abständen Whisky Tastings an (im Juni mit dem Thema Balvenie). Bisher stand ich allerdings noch nicht auf dem Verteiler, ich werde das aber nachholen und genauere Informationen updaten.

Whiskytastings in der Umgebung von Hamburg

Hamburg hat mit Städten wie Elmshorn, Pinneberg, Schenefeld und Stade einen großen so genannten Speckgürtel. Durch den HVV und meist gute Verkehrsinfrastruktur, ist für die Hamburger aus meiner Sicht auch ein Tasting in der Umgebung interessant und umgekehrt.

Whisky Tasting in Elmshorn und Norderstedt bei Edeka Hayunga

In den Räumen des Supermarktes Hayunga finden monatlich zwei bis drei Verkostungen und/oder Seminare statt. Die Teilnahme wird mit sechs bis sieben Whiskys belohnt und kostet circa 20 € (kann aber von Termin zu Termin wechseln). Es gibt übrigens auch Rum Verkostungen, das ist sicher auch spannend.

Hansemalt Whiskytastings und Seminare in Hamburg

Die Veranstalter der Hanse Spirit Spirituosenmesse veranstalten sehr regelmäßig Whiskytastings und Seminare, wie Blending Seminare und Verkostungen von im Sherryfass gereiftem Whisky im Vergleich zu dem entsprechenden Sherry. Ich konnte daran noch nicht teilnehmen, fasse das aber fest ins Auge, hoffentlich noch für 2013. Weitere Infos findet ihr auf hansespirit.de.

Die Kosten betragen circa 59 €, die Tastings finden in privaten Räumlichkeiten in Schenefeld bei Hamburg statt.

Marc’s Whiskycollection Verkostungen in Elmshorn

In den Räumen des Whiskyshops marc’s WHiskycollection (Klaus-Groth-Promenade 9, 25335 Elmshorn) finden regelmäßig statt, die nächsten Termine sind im August 2013 angesetzt. Es gibt Tastings für Einsteiger und für Fortgeschrittene mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten. Die Kosten liegen bei circa 25 bis 30 €.

Weitere Whiskytastings in Hamburg

Ich kenne bisher keine weiteren Tastings in Hamburg, aber ich treffe mich regelmäßig zu Tastings mit Freunden. Das kann ich jedem einzelnen Empfehlen, einfach mit zwei, drei oder mehr Freunden zusammentun, einen ruhigen Ort suchen (am besten bei jemandem zu Haus, das ist am günstigsten) und vorher Absprechen, wie die einzelnen Sammlungen aussehen und was man offen hat. Hier kann man dann planen, was gut zusammenpasst. Vielleicht möchte man eine Region auswählen, also nur Speyside oder Highland Whiskys probieren oder eine bestimmte Ausprägung von Whiskys, aber aus verschiedenen Destillerien, probieren. Ich werde demnächst zum Beispiel mit meinen Freunden drei verschiedene nachgereifte, rauchige Islay Whiskys gegeneinander tasten (Ardbeg Uigeadail, Lagavulin Destiller’s Edition und Caol Ila Destiller’s Edition) um herauszufinden, wie sich die Brennereien hier unterscheiden.

Es empfiehlt sich, eine Reihenfolge zu planen, in der man die Whiskys tasten will. Hier würde ich persönlich dazu raten, dass man von mild zu stark und von nicht rauchig zu rauchig geht, startet man mit einem Laphroaig Cask Strength, ist es unter Umständen nicht mehr so gut möglich noch einen milden Glengoyne oder Auchentoshan zu genießen.

Also, viel Spaß und vielleicht sieht man sich einmal auf einem der Tastings, wenn ihr Hinweise habt, wo in Hamburg (und Umgebung) regelmäßig gute Whiskytastings stattfinden, dann sagt mir bitte Bescheid!

Macallan stellt angeblich seine Standardabfüllung um

Die 1824er Serie ersetzt Sherry- und Fine Oak

Laut Horst Lüning von der Webseite whisky.de wird Macallan die 10 und 12 jährigen Sherry Oak und die Fine Oak Abfüllungen zugunsten der neuen 1824 Serie mit den Abfüllungen Macallan Gold, Amber, Sienna und Ruby einstellen. Sobald ich eine Pressemitteilung oder eine ähnlich offizielle Quelle finde, werde ich den Link hier anfügen. Ich habe bereits eine Email an das Team von Beam Global geschickt, die den Vertrieb der neuen Range über ihre Signature Malts organisieren.

UPDATE: Die lieben Menschen von Beam Deutschland hat mir geantwortet, dass alle anderen Variationen außer der neuen 1824er Serie definitiv in Deutschland nicht mehr vertrieben werden. Im Fachhandel und in anderen Ländern sei dieser Whisky aber weiterhin durchaus verfügbar.

Wie war der Sherry Oak? Ich habe den Macallan Sherry Oak 10 years old vor etwa einem Jahr noch für circa 30 € erworben, der aktuelle Straßenpreis liegt etwa 20 € darüber, was für eine deutliche Verknappung der Bestände sprechen würde.

Der Macallan Sherry Oak war aus meiner Sicht ein sehr schöner, kräftiger Whisky mit einer großen Fruchtigkeit und einer leichten Bitterkeit im Abgang. Ich fand ihn für seinen damaligen Preis wirklich gut, für den aktuellen Preis würde ich ihn mir nicht kaufen, wenn man bedenkt, dass man hier schon Top 18 jährige Glenfarclas erhält, die deutlich mehr Sherry und Eiche aufrufen, oder einen leckeren 12 Jahre alten Aberlour, der vom Charakter aus meiner Sicht wirklich nah an den Sherry Macallan herankommt.

Ich bin auf jeden Fall an den neuen Abfüllungen interessiert und ich denke, dass die Einteilung nach Farben einen Sinn ergibt, trotzdem habe ich als Whiskykäufer bisher fast immer auch auf eine Altersangabe geachtet. Das liegt daran, dass ich selbst bei Second oder Third fill Fässern hier weiß, dass eine gewisse Menge Eiche mitkommen dürfte. Allerdings habe ich bei den Glen Els Whiskys festgestellt, dass die Jahre nicht immer was zum Alter sagen.

Nachhaltigkeit und Whisky

Oder „Alles Öko im Whisky oder was?“

Ich bin Abonnent des auf Englisch erscheinenden Whisky Magazine und in der aktuellen Ausgabe 111 bin ich auf einen sehr interessanten Artikel von Gavin D. Smith gestoßen. Der Titel des Artikels ist Enviromental awareness. Der Artikel beschäftigt sich, wie mein Titel und der Titel von Smith schon vermuten lassen mit dem Einfluss, den die Single Malt Whiskyherstellung in Schottland auf die Umwelt hat.

Ich halte dies für ein sehr interessantes Thema, zu dem ich auf Deutsch bisher wenig gefunden habe. Darum fühle ich mich jetzt bemüßigt, meinen Senf dazu zu geben.

Die Rohstoffe

Scotch wird bekanntlich aus Gerste und Wasser hergestellt, zu einem Teil auch aus Torf. Dazu brauch man natürlich auch noch einiges an Energie. Wenn Whisky nachhaltig und umweltverträglich sein soll, dann sind die Rohstoffe ein wesentlicher Punkt für die Bewertung.

Das Wasser für Whisky

Wasser ist der erste Rohstoff, den Gavin D. Smith behandelt. Wasser ist für Whisky unerlässlich, schließlich besteht er aus einer ganzen Menge Wasser, auch bei Fassstärke. Üblicherweise wird Whisky mit Wasser aus der örtlichen Trinkwasserversorgung verarbeitet.

Der weit größere Verbrauch an Wasser entsteht aber bei der Kühlung des Destillates! Dieses Wasser ist potenziell ein Problem für die Umwelt, da es sich bei der Kühlung stark aufheizt, was für viele Fische und Flußbewohner schädlich sein kann. Um die Auswirkungen gering zu halten werden die Destillerien sehr eng von der SEPA (Scottisch Enviroment Protection Agency) überwacht.

Smith zitiert Alan Winchester von Chivas Brothers Ltd. Mit einem Statement, dass sie sich Mühe geben wo es geht Hitze aus dem Wasser zu ziehen und diese zu nutzen. Dies bedeute für die 14 Stills die Chivas betreibt eine große Wasserersparnis. Diageo schafft es in seiner aktuellsten Destillerie bis zu 95% des Wasser über eine Wasseraufbereitung zu beziehen und so den Einfluss auf die Umwelt zu minimieren.

Dies wirft auf die heißgeliebten Worm Tubs einiger noch sehr klassich produzierender Destillerien ein anderes Licht. Hier ist eine regelmäßige Neueinspeisung wie in modernen Kühlkörpern nicht möglich. Hier scheinen insbesondere die Großen mit einem guten Beispiel voranzugehen.

Fabian’s Umweltnote: 1- (es geht immer noch etwas mehr)

Die Gerste für den Whisky – lokal oder globalisiert?

Neben dem Wasser für die Wash Tubs und für die Kühlung ist gerste der zweite wichtige Rohstoff.

Hier ist zum einen die Herkunft der Gerste wichtig, denn lange Transportwege bedeuten einen höheren Verbrauch von fossilen Brennstoffen und daraus folgenden Emissionen. Die Whiskyproduzenten sind in Schottland nicht dazu verpflichtet lokale Erzeugnisse zu nutzen, dies scheint aber auch nicht nötig und das hat mich überrascht. Circa 93 % aller Gerste wird aktuell in Schottland produziert und importiert wird das übrige Getreide aus Irland, England und sehr viel seltener aus Dänemark. Think global,, buy local, die Schotten machen es uns vor.

Zudem ist die Gerste auch immer effizienter geworden. Die aktuellen Gersten schaffen eine um 20% höhere Ausbeute an Alkohol als die hocheffiziente Golden Promise Gerste. So schaffen die jetzt genutzen Gersten pro Tonne 420 Liter Alkohol.

Die Verwendung lokaler Gerste würde ich durchaus als sehr umweltfreundlich bezeichnen. Soweit ich weiß ist allerdings nur ein kleiner Teil des Getreides wirklich „Bio“ nach EU-Norm. Hier muss zu bedenken gegeben werden, dass konventionelle Landwirtschaft durch den Einsatz von Dünger und Pestiziden einen größeren Einfluss auf die Umwelt hat, als ökologische Landwirtschaft. Wenn die SWA (Scotch Whisky Association) hier auch eine Empfehlung aussprechen würde, wäre der Umweltschutz sicherlich noch deutlich verbessert.

Fabian’s Umweltnote: 2 – (Abzüge gibt es für die Produzenten)

Fossiler Brennstoff – Torf im Whisky

Torf ist im Prinzip eine Vorstufe von Öl, allerdings deutlich jünger und eher in Mooren zu finden. Moore sind wertvolle Ökosysteme und ein Vergleich der einmal existenten Moorflächen mit den noch existierenden Mooren in Norddeutschen Torfabbaugebieten zeigt, was passieren kann, wenn aller Torf gestochen wurde.

Torf ist für die Herstellung bestimmter Whiskysorten unbedingt notwendig, allerdings ausschließlich als Aromenträge durch das so genannte „kilning“, also das „Stoppen“ des Mälzens. Hier erhält der Malt Whisky seine rauchigen Noten und manchmal auch seinen „Gestank“ nach Schinken oder Jod.

So, sind wir also alle die wir torfigen Laphroaig oder rauchigen Highland Park mögen schlimme Umweltsünder? In Smiths Artikel lässte er Graham Manson von Highland Park zu Wort kommen. Er versichert, dass der Abbau auf Orkney sehr genau mit der örtlichen Umweltbehörde abgestimmt wird und viel Geld in die Renaturierung der Moore investiert wird.

Für die Schottische Malt Whisky Industrie spricht, dass sie nur 0,5% des in Schottland abgebauten Torfs verbraucht und doch recht viel für die Erhaltung der Moore tut.

Fabian’s Umweltnote: 2- (Torf ist mit hoher Belastung für die Umwelt verbunden.

Ist Whisky Umweltfreundlich oder nicht? Ein Fazit:

Whisky ist aus meiner Sicht nicht öko, der Arikel zeigt aber, dass die Produzenten sich um hohe Effizienz bei der Benutztung von Rohstoffen kümmern. Der Artikel bleibt leider eine Information über die Energieeffizienz der Destillerien schuldig.

Es gibt, auch in der besprochenen Ausgabe des Whisky Magazine, Hinweise darauf, dass auch hier die Schotten sehr daran interessiert sind. So plant Diageo 2014 eine Destillerie mit angeschlossenem Biomassekraftwerk in direkter Nähe der Teaninich Destillerie bauen und viele andere Destillerien modernisieren wird. Man darf also sagen, dass die Konzerne sich bemühen ressourcenschonend und energieeffizient zu arbeiten. Sicherlich nicht nur deshalb, weil die gut für Schottlands Umwelt ist, sondern auch aus wirtschaftlichen und Marketing-Erwägungen, aber das macht den Effekt nicht weniger gut und sinnvoll.

Ich würde insgesamt eine 2 als abschließende Umweltnote geben wollen.

Was ist eure Meinung? Kommentiert oder schreibt mir!

Glen Els – Deutscher Whisky aus der Hammerschmiede

Deutscher Whisky: Glen Els aus der Hammerschmiede

Lecker Whisky aus Deutschland? Gerade mal fünf Jahre gereift? Auch noch im Harz? Gibt es das? Kurz: Ja, das gibt es und wie!

Mein Besuch in der Hammerschmiede

Im März 2013, bei einer Eiseskälte, manche mögen diese Kälte auch mit einem rückwärtigen Körperteil in Verbindung bringen, wie ich sie im März bisher noch nicht erlebt habe, verbrachte ich ein schönes Wochenende im Harz. Der Besuch bei der Hammerschmiede war ein Weihnachtsgeschenk, zugegeben war ich zuerst skeptisch, aber als wir dann am Samstag früh um kurz vor 11 in Zorge ankamen, wich die Skepsis doch der Aufregung und dem Interesse.

Der Vorraum schien von einer ganzen Meute Interessierter besetzt, wir drängten uns dann mit leichtem Nachdruck und unter freundlicher Leitung einer Mitarbeiterin in den großzügigen Verkaufsraum. Hier würde dem geneigten Whiskyconnoiseur direkt klar, dass die Hammerschmiede nicht nur eine Whiskydestillerie ist, sondern einige andere Brände und Liköre im Angebot hat, dazu aber später mehr.

Wir erwarben zwei Karten für eine Besichtigung zu je 5 € und waren direkt erfreut, dass jeweils vier Proben inklusive waren! Da die erste Führung gerade begonnen hatte und der nette Mitarbeiter uns versicherte, dass er uns ein paar Minuten später durch den Betrieb führen würde, starteten wir direkt mit einer ersten Kostprobe. Ich entschied mich als erstes für etwas mildes, was beim Glen Els die Standardabfüllung „The Journey“ sei, so der nette Mitarbeiter.

The Journey, die Standardabfüllung des Glen Els

Der Journey ist die erste regelmäßige Abfüllung von Glen Els und ist eine Assemblage aus sechs verschiedenen Fasstypen (man dürfte auch Blend sagen, aber das führt unter Umständen zu Mißverständnissen, Glen Els macht ausschließlich Single Malts). Der Journey enthält Whisky aus Sherry, Portwein, Madeira, Marsala, Malaga und zu Guter letzt noch grand Cru Bordeaux- Fässern. Die Lagerdauer ist nicht angegeben, der Destilleriebesitzer sagte später, dass die Whiskies 4 bis 6 Jahre gelagert seien.

Flasche und Karton vom Glen Els Whisky aus der Hammerschmiede in Zorge (Harz).
Deutscher Whisky Glen Els aus der Hammerschmiede

Vollständige Tastingnotes konnte ich hier noch nicht erstellen, der Eindruck war vor allem: Hey, der ist doch ein Stück älter? Und süß, wirklich lecker süß! Der Whisky ist recht dunkel, vor allem rötliche Töne herrschen im Glas vor, da denkt man doch bei so jungem Whisky an E150! Aber nix da! Unchillfiltered & uncoloured ist auf der Flasche neben den 43 Volumenprozenten zu lesen, das erfreut doch das Auge und stimmt den Gaumen noch positiver ein, wir mögen natürliche Produkte.

Insgesamt also ein erster wirklich positiver Eindruck!

The Unique: Die 2012er Distillery Edition

Meine liebe, sonst nie Whisky trinkende, Begleitung testete als Portweinliebhaberin den Woodsmoked Ruby Port und war begeistert, da war ich natürlich interessiert! Ich stöberte ein wenig und stellte fest, dass die aktuelle Distillery Edition auch aus dem, erstbefüllten, Portweinfass stammt. Port mag ich sehr gerne, Whisky aus Portweinfässern, wie den großartigen Glenmorangie Quinta Ruban, liebe ich.

Der Unique kommt rötlich daher und ist etwas heller, als die vier Jahre erwarten lassen wenn man ihn mit dem Journey vergleicht. Der Whisky hat ein ganz deutliches Portweinaroma und wirkte, wie der Journey, reifer als das junge Alter vermuten ließen. Die Frage, die sich mir stellte, war: Wie kriegen die das hin? Die Frage wurde mir nach kurzer Zeit beantwortet.

Die Besichtigung

Der nette Herr, der mir den Whisky eingeschenkt hatte, führte mich und die mittlerweile wieder stark angewachsene Zahl der Besucher in einen Raum mit einigen in Tische eingelassenen Flaschen, einer kleinen Destille und einigen wenigen Fässern.

Uns wurde dann kurzweilig erklärt, wie die Hammerschmiede zum Brennen gekommen war, über einen eigenen Kräuterlikör in dem Restaurant des Besitzers, der auch heute noch als „Schmiedefeuer“ vertrieben wird, und wie aktuell Obst und Kräuterbrände,sowie Liköre hergestellt werden und wie die Hammerschmiede zum aktuellen Gebäude kam, welches zuvor ein Kulturzentrum war. Die Ausführungen waren durchaus interessant und man konnte einige Geruchsproben nehmen, da aber die Gruppe recht groß war, konnte man nicht recht von einem Nosing sprechen.

Dann ging es an den Teil, für den ich in den Harz gekommen war: Whisky.

Der Herstellungsprozess von Whisky und die verschiedenen für den Glen Els genutzten Verfahren wurden erklärt, normal gemälzte Gerste, stark geröstete Gerste und eine über Buchenholz geräucherte Gerste. Moment. Rauch? Whisky? Da muss doch Torf ran!?

Ja. Aber nun einmal nachdenken. Warum nutzen und nutzten die Schotten Torf bei der Produktion? Weil der Torf der einzige Brennstoff war, der günstig verfügbar war. Der übliche Harzer, kroch nunmal nicht unter den Baum um den Torf, der durchaus vorhanden ist, zu stechen. Nein, der Harzer fällt einfach den Baum und verfeuert diesen. Um also einen Whisky herzustellen, der den harz auch repräsentieren kann, nutzt die Hammerschmiede also das „Woodsmoking“, also das Räuchern, welches zum Beispiel auch bei Forellen einen entsprechend leckeren Effekt erzielt.

So, die Rohstoffe waren geklärt, das Wasser kommt aus dem Elsbach, deshalb auch Glen Els, was ist nun wichtig? Richtig. Destillieren und lagern.

Der Destillationsprozess wurde an einer circa 50 Liter fassenden kupfernen Destille, in der die ersten Brände der Hammerschmiede entstanden, erläutert.

Das Fasslager

Hinter dem beschrieben Raum, der zum Besucherempfang dient, liegt das Fasslager (ein weiteres Lager gibt es wohl in einem anderen Gebäude, in dem die Destillerie vorher untergebracht war). Es lagern aktuell wohl circa 200 Fässer mit Whisky, oder mit werdendem Whisky, fast ausschließlich Fässern, in denen zuvor Südweine ausgebaut wurden und einige wenige frischere Fässer, die keinen Wein enthielten.

Fasslager für Glen Els Whisky aus der Hammerschmiede
Fässer in denen Glen Els lagert

Die Fässer werden im Winter Temperaturen von bis zu 0° Celsius ausgesetzt, im Sommer werden hingegen bis zu 35° erreicht. Dies ist laut Hersteller auch der Grund dafür, dass bereits junger Whisky vergleichsweise reif schmecken kann. Für den Hersteller hat das ganze einen gravierenden Nachteil: Der Angel’s Share ist deutlich höher, als dies bei anderen Lagerbedingungen der Fall wäre. In der Hammerschmiede gehen sie von 4 bis 10 % Verlust an Volumen pro Jahr aus, was wirklich sehr viel ist, die Schotten verlieren wohl maximal 4 % pro Jahr.

Dies führt dazu, dass die Einzelfassabfüllungen nach fünf Jahren zum Teil nur 250 Flaschen zu 0,7l hergeben.

In den Lagerräumen findet sich auch ein großer Tank um mehrere Fässer zu mischen, oder um Einzelfässer gut zu durchmischen und eine homogenere Flüssigkeit zu erreichen.

Neben dieser Besonderheit finden sich auch das Flaschenlager und der Versand im Fasslager, der Versand geschieht wie alles in Handarbeit, besonders aufregend ist dies aber nicht.

Spannender wurde es wieder nach der nächsten Tür, nun ging es um den Vorgang der Destillation.

Die Destillation

In einem kleinen Raum findet sich ein Tisch um den herum mehrere Arbeitsplätze zu sehen sind und die Hauptattraktion, das kupferne Brenngerät. Ist es eine Pot Still, ist es eine Column Still? Es ist im Prinzip beides, sozusagen eine PotColumn Still. Im Bild ist die rechte seite von zwei bauchigen Kupferbehälter zu sehen. Im untersten wird die Maische gebrannt, diese steigt nach oben auf und verdunstet zum Teil wieder, der est gelangt über das geistrohr in den nächsten Behälter. Dieser erste Vorgang ist dem Pot Still Verfahren ähnlich, nur ist alles wsentlich kleiner, es passen nur Rohstoffe für 250l Destillat in dieses Gerät.

Im zweiten Teil kann der Brennmeister entweder eine vierfache Säulendestillation verwenden und so sehr reinen, aber geschmacklich neutraleren, Alkohol herstellen oder die Säulen öffnen und somit nur eine zweite Feinbrennung vornehmen. Für Whisky wird zweimal destilliert, Wodka hingegen kann somit fünffach destilliert werden.

Die kupferne bauchige Destille dient in der Hammerschmiede unter anderem dazu den Glen Els herzustellen.
Der Destillierapparat der Hammerschmiede

Ein weiterer Hinweis, den uns der Guide gab, war, dass die jeweiligen Mittelläufe, als das was zwischen dem eigentlichen Brand und den ungenießbaren Vor und Nachläufen als Übergang steht, noch einmal separat gebrannt wird um das gute daraus nicht verkommen zu lassen und trotzdem einen feinen und aromatischen Brand zu erzielen.

Die Glen Els Whisky Verkostung

Nach dem informativen Teil, ging es nun zum noch angenehmeren Teil der Besichtigung über: Der Verkostung. Da ich schon zwei Proben verkostet hatte und meine Begleiterin die Woodsmoked Serie so gelobt hatte, ging ich dazu über mich durch diese Serie zu probieren.

Die Woodsmoked Serie ist wie weiter oben beschrieben aus über Buchenholz geräuchertem Malz hergestellt und anschließend in verschiedenen Einzelfässern gelagert.

Ich begann mit einem fünf Jahre im Bordeauxfass gelagerten Whisky. Die Farbe ist rötlich und weist auf ein erstbefülltes Fass hin, ein blick auf die Flasche bestätigt dies und versichert den geneigten Genießer, dass es sich hier nicht um Zuckercoleur handelt. In der Nase hat man eine deutliche Frucht und eine gewisse Würze, ist das der Rauch? Im Mund entfaltet sich der Whisky zuerst langsam und gibt dann seine Süße frei und wird dann schwer, wie ein schöner trockener Bordeaux, nur ohne dessen Säure.

Nummer zwei war ein im Madeirafass gelagerter fünfjähriger Whisky. Madeira hat als aufgespriteter Starkwein einen anderen Effekt auf das Fass als Bordeaux, sodass der Whisky würzigere Noten aus dem Fass zu ziehen scheint und deutlich trockener wirkt. Gleichzeitig ist eine ganz leichte Öligkeit zu vernehmen. In der Nase wurde der Whisky mit ein wenig Wasser deutlich offener und gab leichte Töne von Rosinen frei. Der Abgang war warm aber nicht sehr lang.

Nach einer kleinen Erholungspause gönnte ich mir noch einen als „Dark Sherry“ bezeichneten fünfjährigen Whisky. Der Whisky hat einen sehr klaren Geschmack, aromatisch aber nicht so ölig wie etwa ein Old Pulteney, eher in Richtung eines im Sherry nachgelagerten Glenlivet. Die Früchte, die man in der Nase verspürt sind deutlich dunkel, aber nicht etwa wie aus dem Rumtopf, sondern wie in einem Obstboden noch mit etwas stärkerer Fruchtigkeit.

Die Whiskys sind zusammengefasst eines: Wirklich lecker und überraschend reif. Ich habe einen fünfjährigen schottischen Single Malt zum Vergleich herangezogen und muss sagen, dass dort eine viel stärkere metallische Schärfe zu finden ist, als dies bei den Harzer Single Malt Whiskys der Fall ist.

Ich bin also geneigt zu glauben, dass der Einfluss des Fasslagers in diesem Fall unter den genannten klimatischen Bedingungen steigt und der große Verlust an Whiskymenge hier einem wirklich schönen Produkt gegenübersteht.