Archiv für den Monat: Juni 2013

Die 6 besten Whiskys für den Sommer

So, langsam aber sicher ist der Sommer eingetrudelt und man darf sich ohne Schal und dicken Mantel wieder an die Sonne wagen. Während der Unterbrechungen meines Winterschlafes habe ich vor allem Lust auf kräftige, mächtige und häufig auch rauchige Whiskys gehabt. Aber sobald das Thermometer die 20° Marke überschreitet, ist rauchiger Whisky nicht immer meins.

Also muss ein Getränk für den Sommer her, am liebsten natürlich ein Whisky. Deshalb möchte ich unten kurz einige Whiskys vorstellen, die ich für den Sommer am geeignetsten halte, also meine Top 6 Sommerwhiskys.

Die Nummer1: Glenfarclas 10 Jahre – leichter Sherry für draußen

Der 10 jährige Glenfarclas ist keine Sherrybombe in dem Sinn, wir haben hier einen jungen Whisky, der in erst- und zweitbefüllten Sherryfässern lagerte und das typisch leichte, etwas trockene Aroma besitzt, welches Glenfarclas an sich hat. Der Antritt ist kräftig und jugendlich, leicht spritzig, ohne metallisch zu werden.

Für den Sommer eignet sich der Whisky, weil er in der Hitze eines leicht tropischen Abends die passenden fruchtigen Aromen rüberbringt, ohne zu sehr zu beanspruchen. Wirklich leicht, lecker und nicht zu kompliziert, ohne langweilig zu werden.

Die Nummer 2: Glengoyne 17 Jahre – Zart und blumig

Glengoyne ist eine Highland Destillerie mit Lowland Charakter, wenn wir in den Klischees der typischen Whisky-Regionen bleiben möchten. Wir haben einen sehr feinen, zarten Spirit, der durch die lange Lagerung ein feines Vanillearoma erreicht hat. Ein Malt, der durchaus komplex ist, ohne aber stark aufzutragen, die 43 % Alkohol, die der Glengoyne 17 Jahre mit sich bringt, sind zu spüren, wärmen aber nicht so auf, als dass es im Sommer ungemütlich würde.

Glengoyne 17 Jahre Sommerwhisky Tube und Flasche
Glengoyne 17 Jahre

Dieser Whisky ist für den Sommer deshalb so gut geeignet, weil er eine schöne Frische mitbringt und für mich so eine leckere Vanille besitzt, dass ich mich immer am Mittelmeerstrand sehe und auchein klein wenig Kokos mit am Gaumen spielt. Zusätzlich ist das “Mundgefühl“ durch den sehr reinen Alkohol des Glengoyne 17 Jahre angenehm weich und freundlich.

Die Nummer 3: Glenfiddich 12 Jahre – frisch und lecker

Der 12 jährige Glenfiddich ist ein so genannter „Standardmalt“ und wird von alten Hasen gerne als „Billigmalt“ verschrien. Völlig zu Unrecht, wie ich finde. Der 12 Jährige ist sicherlich ein Malt, der am unteren Preisspektrum dessen liegt, was Leute für Single Malt Whisky ausgeben und somit ein Whisky ist, den viele Einsteiger auch gern als ersten Malt nehmen. Der Whisky ist vergleichsweise günstig, weil Glenfiddich auch viel produzieren kann und dieser Whisky ist für Single Malt Verhältnisse sicherlich ein Massenprodukt. Aber es ist trotzdem wirklich leckerer Whisky.

Der Glenfiddich 12 Jahre alt eignet sich als Sommerwhisky, weil er einen leicht malzig-süßen Antritt hat. Es entwickeln sich leichte Töne von Sherry und Frucht, ohne das die Zunge stark belegt wird. Ich kann diesen Whisky schön im Garten genießen, mir den Duft der Blumen und den leicht fruchtigen Duft des Whiskys gemeinsam in der Nase spielen lassen und mich des Lebens freuen. Wenn es richtig knallheiß ist, dann erlaube ich es mir auch mal mit einem Tumbler und einem einzelnen großen Eiswürfel Sachen zu tun, die ich sonst nicht mache. Da muss es aber schon mindestens 30 °C haben.

Die Nummer 4: Old Pulteney 12 Jahre

Dieser Whisky fällt ein wenig aus dem Rahmen, ichverbinde ihn aber mit Sommer, weil ich meine Sommer als Kind häufig an der Nordsee verbracht habe. Sommer ist also auch subjektiv ;-). Die Gerüche von Salz, Seeluft und Tang finde ich im Old Pulteney mit einer Öligkeit wieder, die ich bei keinem zweiten Whisky bisher gefunden habe. Es ist ein Sommerwhisky für den Strand, oder das abendliche Lagerfeuer.

Der Sommerwhisky Old Pulteney 12 Jahre
Old Pulteney 12 Jahre

Die zwölf Jahre im Fass haben dem Malt seine Spritzigkeit nichtgenommen, lassen ihn aber nicht scharf, sondern angenehm rund auf der Zunge wirken. Die Würze ist da und deutlich im Vordergrund ohne aber aufdringlich zu werden. Herrlich für den Strandurlaub.

Die Nummer 5: Woodford Reserve

Der erste Bourbon in dieser Liste, auch aus dem Grund, das ich weniger verschiedene Bourbons probiert habe, als Scotch Whiskys. Der Woodford Reserve ist in einigen Bereichen kein klassischer Bourbon, weil er in eine kupfernen Pot Still gebrannt wird, was in den USA eher unüblich ist. Dieses Brennverfahren erlaubt dem Woodford Reserve eine große Aromenvielfalt nicht nur aus dem Fass zu übernehmen, sondern auch stärker einen Brennereicharakter wiederzugeben, der daher herrührt, dass die Pot Still einen weniger leichten Alkohol produziert, als es die sonst üblichen Column Stills tun.

Der Woodford Reserve bietet ein tolles Vanillearoma und ist ein sehr ausgewogener Bourbon. Man hat Anmutungen von Kokos und tropischen Früchten, bevor die doch wahrnehmbare Eiche durchkommt.

Die Nummer 6: Otto Hajte Scotch Malt Whisky

Dieser (Single?) Malt ist mir ein kleines Rätsel, da die Herkunft dieses Whiskys unbekannt ist. Was bekannt ist, ist sein Alter und der Verkäufer. Ich habe diesen sehr chic verpackten Malt bei Otto Hatje Zigarren in der Alten Königstraße in Hamburg Altona erstanden.

ScotchSIngle Malt Whisky ausHamburg - Otto Hatje
Single Malt von Otto Hatje

Dieser Whisky ist jung, das merkt man direkt in der Nase und später auch am Gaumen, sehr starker, frischer und deutlich alkoholischer Antritt.

Mit etwas Zeit im Glas wird der Whisky süß und malzig, starke Eichentöne findet man hier nicht, damit war auch nicht zu rechnen. Der Whisky ist hellgelb, heller als Stroh und auch das ist nicht überraschend. Interessant ist bei dem Whisky auch, dass er sich gut zum Mixen eignet, einerseits weil er günstig  ist,  aber auch weil er durch seine  Jugend ein passend kräftiges und nicht zu komplexes Aroma besitzt und sich auch in einem Longdrink oder Cocktail gut durchsetzen kann.

6 Sommerwhiskys das Fazit

Die oben genannten Whiskys sind allesamt nicht rauchig, ich mag das im Winter oder bei Schietwetter  einfach lieber. Ich habe Freunde, die lieben rauchige Malts allerdings wenn sie ihren Grill angeschmissen haben, so unterschiedlich sind Geschmäcker.

Was denkst du, was ist dein liebster Sommerwhisky, oder trinkst du im Sommer lieber Rum oder Cognac? Ich freue mich  über deinen Kommentar!

Whiskey Weizenbier von Hösl – eine Verkostung

Vor kurzem hat in Hamburg ein neuer Laden direkt an der Ratsherrenbrauerei in den Schanzenhöfen eröffnet, es handelt sich um den „Craft Beer Store“ und dort gibt es eine riesige Auswahl interessanter Biere. Hier im Blog geht es um Whisky, aber als ich dann folgendes Schätzchen entdeckte, dachte ich mir, dass es hierher passt: Ein Whiskey Bier. Hösls Whiskey Weisse.

Whiskey Bier, was soll das sein? – Ein bisschen Etikettenkunde

Whiskey Bier von der Brauerei Hösl, Ansicht von vorn
Whiskey Bier von Hösl

Auf dem Etikett erfährt man, dass es sich um ein nach dem Reinheitsgebot gebrautes Weizenbier handelt, für welches auch Whiskey Malz verwendet wurde. Okay? Whiskey Malz im Weizenbier? Wird wohl etwas amerikanisches sein, Whiskey mit „e“, Weizen ist ja auch in Bourbon und anderen amerikanischen Whiskeys erlaubt, ein gutes beispiel ist hier der Maker’s Mark. Wenn Gerste verwendet würde, was in amerikanischem Whiskey durchaus vorkommt, dann dürfte es sich nicht mehr um Weizenbier handeln.

So, auf dem Etikett wird uns erzählt, dass die Mischung aus Weizen und Whiskey Malz uns eine angenehm torfige Note bescheren würde. Torfig? Ah ja, alles klar… hier wird scheinbar wild durcheinander gewürfelt, was normalerweise nicht zusammen gehört. Mir ist zumindest kein amerikanischer Whisky bekannt, der mit Torf gemälzt würde.

Die Verkostung – Hält es, was es verspricht?

So, flugs eingegossen und mal die Vorurteile beiseite geschoben. Die Farbe ist recht dunkel, also kein Kristallweizen, schön, mag ich nämlich nicht. Die Farbe ist mit Bernstein zu vergleichen, ja ich glaub das trifft es, vielleicht etwas stärker ins Bräunliche gehend.

Und jetzt geht es ans Eingemachte: der Geruchstest. Es riecht deutlich Malzig und es ist eine angenehme Würze wahrzunehmen. Erinnert mich sehr an das Aecht Schlenkerla Rauchbier, nur viel weniger Rauch. Eine „Torfigkeit“ im Sinne eines hohen Rauchanteils kann ich nicht feststellen. Es hat eine gewisse Salzigkeit, das schon und auch dieser Geschmackseindruck ist nicht stark genug um von mir mit „Torf“ assoziiert zu werden. Es riecht lecker, ein schönes Bier. Aber mit Whisky oder Whiskey hat der Geruch nichts zu tun.

Nun mal ein Schluck genommen, lecker, schöne Kohlensäure, wirklich schön kräftiges Malz, Süße und Würzigkeit wechseln sich ab. Die Zunge spürt eine gewisse Trockenheit, ein vollmundiges Bier, die 5,6 vol. merkt man auch, aber nicht zu stark, oder unangenehm.

Aber auch hier: Whiskey? Nö, davon merke ich nichts, wirklich gar nichts. Der Rauch, der im Geschmack zu finden ist, ist so zart, dass nicht einmal eine Assoziation zu Whisky aufkommt, das Schlenkerla ist da deutlich stärker, aber wirbt nicht mit „Whiskey“.

Whiskey Weisse, Rückseite mit Etikett und der Erklärung
Etikett der Whiskey Weisse

Im Laufe der Verkostung bleibt die rauchige Würze (die weder Iod, noch Lagerfeuer, noch Schinken so richtig beschreiben würde) deutlich zu schmecken, aber es gibt eine gewisse Fruchtigkeit, ganz leicht an Grapefruit erinnernd, die man hier auch schmeckt.

Fazit: Ich bin zwiegespalten

Das Bier ist lecker, ich mag es gern, es ist kein normales Weizen, es hat mehr Geschmack und es ist schön abgestimmt. Aber warum ist es mit Whsikey beworben? Ich verstehe es wirklich nicht, Whisky, oder leichtes Rauchbier, ja gerne, aber das ganze an Bourbon, oder Tennessee Whiskey anzulehnen ist entweder fehlendem Fachwissen geschuldet, oder die Marketingabteilung hat festgestellt, dass Whiskey durch Jacky und Jimmie bekannter ist als Whisky durch Johnnie.

Liebe Firma Hösl, ihr habt ein tolles Bier gebraut, aber so müsst ihr das, wie ich finde, nicht bewerben.

Glenfarclas 105 – Liebestaumel aus dem Sherryfass

Bild eines Glenfarclas 105 (Flasche und Hülle)
Glenfarclas 105, Hülle und Flasche

Ich bin ein Fan rauchiger Whiskys, bei Whisky aus dem Sherryfass bin ich eher so etwas wie der schüchterne, verliebte Teenager, der nicht weiß, wie er seine Liebe gestehen möchte. An Rauch bin ich selbstbewusst und kaltschnäuzig Herangegangen und habe mir direkt einen Laphroaig geschnappt, an Sherry habe ich mich vorsichtig rangetastet und meine Grenzen ausgelotet, gerade wie bei einem Date.

Der 105er von Glenfarclas ist ein Whisky mit Fassstärke, der 10 Jahre in ehemaligen Sherryfässern lagerte und eine tiefdunkelrote Farbe erhielt, sicherlich nicht der Whisky, der am Anfang eines Dates mit Sherry steht. Er ist aber der Whisky, der dem ersten näheren Kennenlernen gleichkommt, mehr als Händchenhalten.

Der erste Schritt und das Kennenlernen – Woher kommt der Whisky und was ist drin?

Schaut man auf das Etikett des Glenfarclas 105, sticht zuerst die Zahl hervor. Weiß auf schwarzem Grund prangt sie dort und verspricht süße Genüsse. Was soll die 105 bedeuten? Sie ist ein Hinweis auf die sündige Stärke des Whiskys. Mit 105 britischen Proof hat der Glenfarclas 60 Volumenprozente Alkoholgehalt. Das ist eine ganze Menge und nicht zu verachten. Dass es sich um Fassstärke handelt wird durch das „Cask Strength“ hervorgehoben.

Das nächste Statement des Etiketts ist eine Herkunftsbezeichnung: „Highland Single Malt Scotch Whisky“. Hm…. Highland? Ich dachte immer an die Speyside bei Sherrywhisky, also mal die Suche angeschmissen und rausfinden, dass Glenfarclas im Ort Ballindalloch im Herzen der Speyside zu finden ist. Glenfarclas nutzt also den Oberbegriff „Highlands“, die Speyside gehört im Prinzip zu diesen. Okay, wir wissen was die Angebetete anhat und woher sie kommt, wie alt ist sie nur?

Die Familie Grant ist seit fast 200 Jahren, nämlich seit 1815 in Besitz der Destillerie, die Familie ist also alt. Das Etikett weist Glenfarclas 105 als 10 Jahre alt aus, für einen Whisky ist das sicher volljährig, wenn auch nicht alt. Wir können also davon ausgehen, dass es sich um einen ernstzunehmenden Single Malt handelt und nichts, was vor seiner Zeit das Fass verlassen musste.

Wir kommen uns näher – Du riechst so gut – Das Nosing

Okay, ich glaub der zweite Teil der Überschrift ist von Rammstein, aber er passt sehr gut. Wenn der gute Tropfen ins Glas perlt und man seine Nase näher heranführt, ist der erste Eindruck; nunja, eigentlich gar nicht so stark. Hm, wie kommt das? Arbeitet man ein wenig mit Wasser, wird es klar, der Alkohol will seine Aromen nicht so ohne weiteres freigeben. Bei 60% Alkohol kann man auch von einer ordentlichen Verdünnungsreserve ausgehen. Also flugs zwei drei Teelöffel Wasser auf den Dram und nochmal gerochen, herrlich. Als allererstes knallt der fruchtig-trockene Sherry und Würze.

Glenfarclas 105 Single Malt Whisky Etikett in Nahaufnahme
Das Etikett des Glenfarclas 105

Der erste Eindruck ist groß, viel größer als beim „normalen“ 10-jährigen Glenfarclas, der mit 40 % abgefüllt wird. Wir warten noch einige Minuten und führen uns das Glas immer mal wieder an unsere Nasen. Er entfaltet sich, wird von dunkler zu hellerer Frucht. Herrlich.

Die Kraft des Whiskys ist nicht zu unterschätzen, wir haben es mit einem starken und erstaunlich reifen Whisky zu tun. Es finden sich leichte Noten von Leder, nur ganz zart, und eine an leichten Rauch erinnernden Ton im Hintergrund, hinter dem starken Sherry und der Frucht.

Jetzt wird’s ernst – Der erste Kuss – Das Tasting

So, der Whisky ist so knapp unter 50 % verdünnt worden und hatte Zeit sich zu setzen und mir seine Aromenfracht in die Nase zu blasen. Jetzt kommen wir uns noch näher und ich setze das Glas an. Der erste Eindruck ist kräftig, stark und leicht überwältigend. Die alkoholische Stärke ist ganz klar da, ohne dass es fuselig wirkt oder gar alkoholisch schmecken würde. Dann läuft mir das Wasser im Mund zusammen, Trockenheit vom Sherry kommt durch, es gibt wahrnehmbare, aber nicht starke Bitterkeit, vielleicht Halbbitterschokolade und Frucht, dunkle Beeren, etwas Kirsche und Honig. Wirklich toll, die Würze vom Anfang bleibt die gesamte Zeit über, der Whisky füllt den Mund durchgehend aus, ich kann kaum sagen, wo die Flüssigkeit gerade ist und dann schlucke ich und merke, wie warm mein Hals wird. Und bleibt. Und bleibt. Und noch immer bleibt. Am Gaumen bleibt leichte Bitterkeit zurück, auf der Zunge ein leicht trockenes Gefühl und der Rachen ist warm, sehr angenehm warm.

Glenfarclas 105 – eine Liebe fürs Leben?

Wirklich, ganz großes Kino der Glenfarclas 105. Jedes einzelne der 105 Proof zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht und nun bin ich glücklich mit meiner Eroberung.

Fehlt etwas? Nein. Bei etwas über 30€ pro Liter (Stand Juni 2013) kann ich nichts entdecken, was mir fehlen würde. Es gibt den Glenfarclas 105 auch noch in einer 20 Jahre alten Version, hier kann ich die wirklich dunklen Sherrytöne erwarten, eine stärkere Bitterkeit und sicherlich so etwas wie eine ledrige, angenehme Note nach Herrensessel, aber hier greift der geneigte Genießer auch tiefer in die Tasche, denn einen 60 %igen Whisky in dem Alter hinzubekommen ist dank des geliebten „Angel Share“ nicht so einfach.

Insgesamt liebe ich diesen Whisky und bin froh, dass ich noch ein bisschen in meiner Bar habe. Weiter so, Glenfarclas.

 

 

 

Rauchiger Whisky – Hass oder Liebe?

Raue Seeluft, Salz, Tang und am Abend am Lagerfeuer sitzen, für viele ist das ihr Traum von Schottland, speziell ihr Traum von schottischem Whisky. Andere verbinden mit Schottland Blumen, saftige Wiesen und Heidekraut. Schottland mag ein kleines Land sein, seine Facetten sind aber zahlreich und jedes Schottlandbild ist individuell. Individuell wie der Whiskygeschmack.

So verschieden die Wahrnehmungen und Vorstellungen von Schottland sind, so unterschiedlich werden auch die verschiedenen Ausprägungen von Scotch wahrgenommen.

Um wenige Aspekte gibt es unterschiedlichere Wahrnehmungen als zur Frage: Soll Whisky rauchig sein oder nicht? Ich selbst bin  mit Laphroaig zum Scotch gekommen, dass ich also auch rauchigen Whisky mag ist also recht offensichtlich. Ein guter Freund hingegen liebt leichtere Sherrytönige Whiskys wie den Balvenie Doublewood und verabscheut meinen heißgeliebten Laphroaig.

Flasche und Karton des Lagavulin Single Malt Whiskys in der Distiller's Edition aus dem Travellers Retail. 1 liter.
Lagavulin Distiller’s Edition Single Malt Scotch Whisky

Jedem Tierchen sein Plaisierchen könnte man nun sagen und der Artikel wäre am Ende.

Ganz so ist es nicht. Rauchiger Whisky kann deutlich unterschiedliche Ausprägungen annehmen und somit vermute ich, dass (fast) jeder auch für Rauch im Whisky interessiert werden kann. Warum das wichtig ist? Die Aromenfracht, die Rauch mit sich bringt kann kaum überschätzt werden und es gibt rauchhaltige Whiskys, die andere Noten im Whisky, wie Sherry, Honig und schokoladige Bitterkeit, unterstützen, ohne sie zu übertünchen oder zu überwältigen.

Schinkenschnaps – Phenol ohne Ende – Islay helau

Wenn ich  von stark rauchigem Whisky rede, denke ich an Laphroaig, der Whisky, der mich an Scotch und seine Aromen rangeführt hat. Der erste Eindruck, den ich von ihm hatte war: „Wow, da ist ein Stück Räucherschinken in der Flasche“.

Viele der sehr stark mit Torf befeuerten Whiskys geben diese Note von sich. Phenol riecht für viele Menschen nach Jod und speziell diese Ausprägung an Whisky legt diese Assoziation auch nahe. Andere Vertreter der starken Schinkenschnaps-Fraktion sind der Smokehead und weitere Islay Whiskys. Einige dieser Whiskys sind leider recht eindimensional. Wo der Laphroaig in seiner 10 jährigen Ausprägung süße von Honig aus den Bourbonfässern mitbringt, ist der jüngere  Smokehead fast säuerlich bitter im Rachen und zeigt quasi keinen Einfluss des Fasses.

Ein feiner rauchiger Blended Malt ist der aktuell auslaufendeJohnnie Walker Green Label, ein fantastischer Whisky, der leider nicht mehr  in der aktuellen Range zu finden ist. Hier kommen die leichte Schärfe von Talikser und die Holzkohle Aromen von Caol Ila zusammen mit einigen weiteren aromatischen Malts zusammen um einen rauchigen, würzigen Blended Malt zu produzieren.

Insgesamt kann ich diesen Whisky nur in eher homöopathischen Dosen zu mir nehmen und habe auch nicht immer Lust  auf diese riesige Fracht. Im Winter oder  bei „Shietwetter“ habe ich deutlich eher Lust mir einen leckeren Quarter  Casks zu gönnen als im Sommer, wenn ich ohnehin schon öfters grille und meine Portion Rauch so bekomme.

Rauch plus X – Sherry und Rauch im Kampf um die Zunge

Eine spannende Kombination ist immer wieder ein in einem Sherryfass gelagerter Whisky. Viele Distiller’s Editionen / Spezialeditionen / Sonderabfüllungen verschiedener Brennereien und Konzerne fallen in diese Kategorie und das mit gutem Grund.

Bowmore ist ein gutes Beispiel, hier werden  rauchige Islay Whiskys gerne mit der Frucht aus Sherry verbunden. Heraus kommt dann gerne so etwas wie ein in Frucht mariniertes Grillsteak, delikat aber nicht für jeden das richtige. Lagavulin vertreibt eine vielgelobte und hoch  dekorierte Distiller’s Edition. Der große Islay Malt wird hier in Pedro Ximenez (eine sehr süße Ausprägung des Sherry) Fässern nachgelagert und erhält so Farbe und Frucht. Da der Lagavulin DE mit insgesamt 16 Jahren eine ordentliche Eichenfracht mitbringt und viel des jungen, heftigen Rauches schon sanfter geworden ist, entwickelt sich ein schön komplexer Malt, der fast alles mit sichbringt, was einen Whisky ausmacht, außer florale leichte Noten, aber hey, das ist ISLAY.

Ein wunderbarer rauchiger Whisky, der den Rauch mit weiteren Aromen verbindet ist der Talisker 10 Jahre. Hier verbindet sich kräftiger Rauch mit scharfem Pfeffer und einer gewissen Stärke im Mund, „beefy“ auf Englisch ist ein passender Begriff, auf Deutsch kann man vielleicht saftig-würzig sagen. Talisker ist in seiner Standardabfüllung nicht in Südweinfässern gelagert, mit der Distiller’s Edition und dem neuen Port Ruighe gibt es aber auch spezielle Abfüllungen, die noch eine Ladung Frucht mitbringen.

Weniger stark rauchig und mit einer Note nach etwas trockenem Sherry und duftig-würzigem Heidekraut ist der 12 jährige Highland Park, ein wirklich großartiger Whisky von den Orkneys im Nordwesten von Schottland. Hierbringt der leichte, aber wahrnehmbare Rauch die anderen Aromen geradezu prototypisch heraus und sorgt für die nötige Kraft um die leichten Töne nicht zu überdecken, sondern zu betonen. Das ist der Effekt, den man gern mit dem neumodischen Geschmack Umami verbindet.

Ein Räuchlein bitte – Whiskys mit einem Anflug von  Rauch

Es gibt Whisky, der nur eine feine Rauchnote bietet und ansonsten andere Geschmacksnoten betont werden. Ab und an habe ich diesen Eindruck auch von  Whisky, der bekanntermaßen ungetorft ist. Der Glenfarclas 105 ist so ein Kandidat, hier habe ich ihn häufig als würzig erlebt, gerade  während des Verdünnens (nein, ich  trinke 60 Volumenprozente nicht regelmäßig unverdünnt, nur wenn die anderen Jungs das auch tun 😉 ). Das hat aber eher mit Assoziation zu tun, als mit einem Phenolgehalt. Würze, die  der 105er nach meinem Empfinden reichlich hat, wirkt bei mir zumindest schnell wie  ein klein wenig Rauch.

Die  Whiskys aus der Woodsmoked Serie von Glen Els sind über Buche  geräuchert, da ist  auch deutlich weniger Phenol spürbar als bei Islay Whiskys. Auch hier wird die Frucht aus den Fässern herausgestellt und nicht übertüncht.

Leicht rauchig ist auch der bekannte Blend J&B rare von Justerini & Brooks. Hier bringt soweit ich weiß Caol Ila den Rauch  in den Blend, allerdings nicht sehr stark. Blends sind im Allgemeinen durch den Grain Whisky schön leicht und überfordern auch Anfänger nicht, hier kann man Beginnen, wenn man sich einmal entschließt auch rauchigen Whiskys eine Chance geben mag.

Rauch  im Whisky? – Ja bitte, die Dosis macht den Laphroaig

Ich bin für rauchige Whiskys, nur die Menge des Rauchs darf gerne variieren. Nicht jeder Whisky muss rauchig sein, ich bin kein Smokehead und Späße wie ein Pfund Torf in der Promominiatur des neuen Ardbeg Ardbog finde ich, mit Verlaub, ein bisschen übertrieben.

In jede Whisky Sammlung gehört aber ein schöner, rauchiger Whisky, nicht einmal unbedingt von Islay, auch Ardmore aus der Speyside hat da ordentlichen  Whisky zu bieten. Also liebe Rauchverächter, tut euch den Gefallen und tastet  euch (in doppeltem Sinn) mal an das Thema ran.