Kategorie-Archiv: Single Malt Whisky

Talisker Distiller’s Edition – Amoroso Cask für Genießer

Der November ist bereits mehr als  zur Hälfte rum, die Blätter sind braun, rot und gelb und meist auch auf dem Boden – Endlich Zeit für rauchigen, kräftigen Whisky mit dem gewissen Extra! Von der Isle of Skye kommt da genau das Richtige, die Talisker Distiller’s Edition. Talisker ist ein Single Malt Whisky, der eine gewisse Pfeffernote mit sich bringt, die ganz typisch für diese Brennerei ist, man spricht hier auch vom „Chili Catch“.

Verpackung und Nosing Glas mit Talisker Distiller's Edition 2012

Talisker Distiller’sEdition

Amoroso Cask finished – Das gewisse Extra zum Chili Whisky

Talisker ist ein durchaus beliebter Whisky, was die vielen speziellen Abfüllungen der letzten Monate zeigen (Port Ruighe, Dark Storm, 57°North und der Storm). Die Distiller’s Edition der Classic Malts of Scotland Serie haben die Lagerung in speziellen Fässern gemeinsam, beim Talisker Distiller’s  Edition ist dies ein ehemaliges Amoroso Sherry Fass. Amoroso Sherry hat eine ausnehmend dunkle Farbe und ist recht fruchtig nussig, ein bisschen wie guter Tawny Port.

Schaut man sich den Talisker Distiller’s Edition genauer an, zeigt sich eine rötliche Färbung, die der normale 10-jährige nicht aufweist,  da er eher in Bourbonfässern lagert. Ein durchgehend im Sherryfass gelagerter Whisky wie ein Glendronach ist aber deutlich dunkler. Die Nachlagerung in den Sherryfässern dauert beim Talisker nur einige Monate, leider findet sich keine genauere Angabe, nur das Jahr der Destillation und der Abfüllung sind vermerkt, meiner wurde 2001 gebrannt und 2012 abgefüllt, ist also maximal ein  Jahr älter als der 10 jährige Talisker, was die Nachlagerung für knapp ein Jahr vermuten lässt.

Torf, Sherry, Chili und Meer – die Nase

Hat man sich vom Anblick der Farbe losgerissen  und die Tube mit dem wunderbaren Meerespanorama zur  Seite gestellt, stürmt als erstes eine rauchige Note auf den geneigten Genießer ein, Salz kommt hinterher und eine Mischung aus Süße und einer leichten alkoholischen Note. Diese Note hat dieser Talisker den 45,8 % alc. Vol. zu verdanken, so zumindest mein Eindruck.

Talisker erinnert mich immer ans Meer, weniger die ganz raue, von Gischt durchsetzte Nordseeluft an einem stürmischen Tag, damit habe ich schon Laphroaig besetzt, sondern die Luft nach einem sonnigen Tag  am Atlantik, salzig, aber sonnendurchströmt, ein Glas Wein in der Nähe. Hier ist dieser Eindruck von Wein, durch den Sherry stark, die Seeluft geht etwas zurück, es ist warm und angenehm, nicht so rau wie der normale Talisker.

Beim ersten Schluck war ich überrascht,  Schokolade, Chili und Gewürz kommen durch  den noch immer merkbaren Rauch,  der Whisky rinnt warm die Kehle hinunter und lässt dabei eine Schärfe auf der Zunge zurück, die ich nicht dem Alkohol zuschreibe, sondern dieser Chilinote, die Talisker so  besonders  macht. Neben dieser toll eingebundenen Schärfe sorgt eine Süße dafür, dass einem das Wasser buchstäblich  im Munde zusammenläuft. Während man den Single Malt ein wenig im  Mund lässt, wird der Rauch stärker und  schwächer, während  die Schärfe immer gleich bleibt. Ein herrliches Gefühl!

Mein Fazit zum Talisker Distiller’s Edition

Ich habe die Flasche erst vor einigen Wochen erworben und mit Hilfe einiger Freunde hat sich der Inhalt verflüchtigt. Ich habe selten einen so gut ausbalancierten und komplexen Single Malt Whisky wie den Talisker Distiller’s Edition genossen. Er ist kräftig, ohne brutal zu sein, rauchig, ohne eindimensional zu wirken und so komplex, dass meine Beschreibung  noch genug Platz  für jeden Eindruck lässt, den ein Genießer haben wird.

Was denkst du über den Talisker Distiller’s Edition?  Schreib mir doch im Kommentarfeld!

Facts & Zahlen

Alter: 2001 bis 2012

Alkoholgehalt: 45,8 alc. Vol.

Fasstyp: Ex-Bourbon und Ex-Amoroso

Herkunft: Isle of Skye (Region Islands)

Preis: Circa 50 € (November 2013)

 

 

 

Glenfiddich 12 Jahre Tasting – Leckerchen für Zwischendurch

Eine große, kräftige, grüne Flasche mit einem mächtigen Hirsch auf dem Label, jeder der einmal in einem Supermarkt war, hat einen Glenfiddich 12 Jahre schon einmal gesehen. Dieser Single Malt Whisky ist der meistverkaufte Single Malt der Welt und ist so weit verbreitet, dass er für viele Whiskyinteressierte der erste Kontaktpunkt mit Malt Whisky ist.

Mein erster Glenfiddich

Meinen ersten Whisky habe ich mir in einem Duty Free Markt in Tschechien gekauft und es war eine 1 Liter Flasche Glenfiddich 12 jahre. Warum ich zu ihm gegriffen ahbe? Es war tatsächlich der einzige, den ich kannte und was ich kenne, dem vertraue ich eher, zumindest mit grade 18/19 war das so, zudem war der Whisky auch noch sehr günstig.

In einem anderen Beitraghabe ich geschrieben, dass Laphroaig mich mit Whisky zusammengebracht hat, denn dieser Glenfiddich hat mir damals einfach nicht gut eschmeckt. Ich mochte Pils, süße Mixgetränke und sonst eigentlich nichts alkoholisches. Ich hatte immer eine Anmutung an Benzin in der Nase. Man sollte also meinen, das ich von Whisky und von Glenfiddich in Zukunft die Finger lassen würde. Für einige jahre tat ich das auch und als ich wieder begann mich für Whiskys zu interessieren, war er nicht meine erste Wahl.

Glenfiddich 12 Jahre wiederentdeckt

Mit einem Video auf YouTube zum Glenfiddich 12 habe ich mich wieder für diesen Malt interessiert, ein Standard, sozusagen ein „Benchmark-Malt“. Ich erhielt ihn dann als schönes Geburtstagsgeschenk und konnte mich neu und weniger befangen an ihn heranwagen.

Die Verkostung des Benchmark-Malts

Aufder Flasche  erfährt man, dass Glenfiddich in Oloroso Sherryfässern und in Bourbonfässern reifen lässt, eine für einen so günstigen Whisky interessante Tatsache, Sherryfässer sind circa 10 mal so teuer, wie ein Bourbonfass. Mandarf davonausgehen, dass der Großteil der Fässer eher Bourbonfässer sind, aber schon  ein kleiner Anteil Sherry kann tolle Ergebnisse erzielen, wie man auch beim Balvenie Double Wood erkennt.

Im Glas ist der Glenfiddich honiggelb bis golden, leider ist er auch mit E150 gefärbt, zur einheitlichen Farbgebung heißt es auf der Flasche. Dies ist bei diesen großen Auflagen verständlich, es handelt sich immerhin  um  den meistverkauften Single Malt der Welt.

Die Nase lässt ganz leichte Sherrynoten im Hintergrund vernehmen, es ist aber vordergründig ein sehr süßer Malt, Honig und Birnen sind die ersten Assoziationen die ich hatte. Ich finde, dass Glenfiddich auch im Geruch eine leichte Alkoholnote hat, ich empfinde sie nicht als unangenehm, man merkt aber leichte Schärfe in der Nase. Er wird mit der Zeit weicher, oder die Nase gewöhnt sich an die alkoholischen Aromen. Eine Note von jungen grünen Äpfeln bringt sich in den Vordergrund und übernimmt die Birnen vom Anfang. Wirklich angenehm, aber sicher nicht überkomplex.

Der Antritt der Whiskys ist von süßen Noten bestimmt, einige blumigen Aromen steigen über den Rachen in die Nase, insgesamtfüllt der Whisky den Mund vor allem über eine verspürte Verdunstung der Aromen aus. Es ist weniger so, dass der Whisky selbst meinen Mund ausfüllt, es ist eher der  Duft. Es wird später sauer, wie der Apfel, den ich später in der Nase hatte. Im Rachen wird der Whisky kurz warm und hinterlässt nur kurz eine Honignote.

Insgesamt ist der Malt nicht sehr  komplex, aber das suche ich auch nicht in einem Whisky, der wirklich was nettes, leichtes und schmackhaftes für Zwischendurch ist. Ich mag ihn  und werde ihn gerne in meiner Bar behalten, er ist auch toll um ihn Freunden anzubieten, die nur wenig Erfahrung haben.

 

Die 6 besten Whiskys für den Sommer

So, langsam aber sicher ist der Sommer eingetrudelt und man darf sich ohne Schal und dicken Mantel wieder an die Sonne wagen. Während der Unterbrechungen meines Winterschlafes habe ich vor allem Lust auf kräftige, mächtige und häufig auch rauchige Whiskys gehabt. Aber sobald das Thermometer die 20° Marke überschreitet, ist rauchiger Whisky nicht immer meins.

Also muss ein Getränk für den Sommer her, am liebsten natürlich ein Whisky. Deshalb möchte ich unten kurz einige Whiskys vorstellen, die ich für den Sommer am geeignetsten halte, also meine Top 6 Sommerwhiskys.

Die Nummer1: Glenfarclas 10 Jahre – leichter Sherry für draußen

Der 10 jährige Glenfarclas ist keine Sherrybombe in dem Sinn, wir haben hier einen jungen Whisky, der in erst- und zweitbefüllten Sherryfässern lagerte und das typisch leichte, etwas trockene Aroma besitzt, welches Glenfarclas an sich hat. Der Antritt ist kräftig und jugendlich, leicht spritzig, ohne metallisch zu werden.

Für den Sommer eignet sich der Whisky, weil er in der Hitze eines leicht tropischen Abends die passenden fruchtigen Aromen rüberbringt, ohne zu sehr zu beanspruchen. Wirklich leicht, lecker und nicht zu kompliziert, ohne langweilig zu werden.

Die Nummer 2: Glengoyne 17 Jahre – Zart und blumig

Glengoyne ist eine Highland Destillerie mit Lowland Charakter, wenn wir in den Klischees der typischen Whisky-Regionen bleiben möchten. Wir haben einen sehr feinen, zarten Spirit, der durch die lange Lagerung ein feines Vanillearoma erreicht hat. Ein Malt, der durchaus komplex ist, ohne aber stark aufzutragen, die 43 % Alkohol, die der Glengoyne 17 Jahre mit sich bringt, sind zu spüren, wärmen aber nicht so auf, als dass es im Sommer ungemütlich würde.

Glengoyne 17 Jahre Sommerwhisky Tube und Flasche
Glengoyne 17 Jahre

Dieser Whisky ist für den Sommer deshalb so gut geeignet, weil er eine schöne Frische mitbringt und für mich so eine leckere Vanille besitzt, dass ich mich immer am Mittelmeerstrand sehe und auchein klein wenig Kokos mit am Gaumen spielt. Zusätzlich ist das “Mundgefühl“ durch den sehr reinen Alkohol des Glengoyne 17 Jahre angenehm weich und freundlich.

Die Nummer 3: Glenfiddich 12 Jahre – frisch und lecker

Der 12 jährige Glenfiddich ist ein so genannter „Standardmalt“ und wird von alten Hasen gerne als „Billigmalt“ verschrien. Völlig zu Unrecht, wie ich finde. Der 12 Jährige ist sicherlich ein Malt, der am unteren Preisspektrum dessen liegt, was Leute für Single Malt Whisky ausgeben und somit ein Whisky ist, den viele Einsteiger auch gern als ersten Malt nehmen. Der Whisky ist vergleichsweise günstig, weil Glenfiddich auch viel produzieren kann und dieser Whisky ist für Single Malt Verhältnisse sicherlich ein Massenprodukt. Aber es ist trotzdem wirklich leckerer Whisky.

Der Glenfiddich 12 Jahre alt eignet sich als Sommerwhisky, weil er einen leicht malzig-süßen Antritt hat. Es entwickeln sich leichte Töne von Sherry und Frucht, ohne das die Zunge stark belegt wird. Ich kann diesen Whisky schön im Garten genießen, mir den Duft der Blumen und den leicht fruchtigen Duft des Whiskys gemeinsam in der Nase spielen lassen und mich des Lebens freuen. Wenn es richtig knallheiß ist, dann erlaube ich es mir auch mal mit einem Tumbler und einem einzelnen großen Eiswürfel Sachen zu tun, die ich sonst nicht mache. Da muss es aber schon mindestens 30 °C haben.

Die Nummer 4: Old Pulteney 12 Jahre

Dieser Whisky fällt ein wenig aus dem Rahmen, ichverbinde ihn aber mit Sommer, weil ich meine Sommer als Kind häufig an der Nordsee verbracht habe. Sommer ist also auch subjektiv ;-). Die Gerüche von Salz, Seeluft und Tang finde ich im Old Pulteney mit einer Öligkeit wieder, die ich bei keinem zweiten Whisky bisher gefunden habe. Es ist ein Sommerwhisky für den Strand, oder das abendliche Lagerfeuer.

Der Sommerwhisky Old Pulteney 12 Jahre
Old Pulteney 12 Jahre

Die zwölf Jahre im Fass haben dem Malt seine Spritzigkeit nichtgenommen, lassen ihn aber nicht scharf, sondern angenehm rund auf der Zunge wirken. Die Würze ist da und deutlich im Vordergrund ohne aber aufdringlich zu werden. Herrlich für den Strandurlaub.

Die Nummer 5: Woodford Reserve

Der erste Bourbon in dieser Liste, auch aus dem Grund, das ich weniger verschiedene Bourbons probiert habe, als Scotch Whiskys. Der Woodford Reserve ist in einigen Bereichen kein klassischer Bourbon, weil er in eine kupfernen Pot Still gebrannt wird, was in den USA eher unüblich ist. Dieses Brennverfahren erlaubt dem Woodford Reserve eine große Aromenvielfalt nicht nur aus dem Fass zu übernehmen, sondern auch stärker einen Brennereicharakter wiederzugeben, der daher herrührt, dass die Pot Still einen weniger leichten Alkohol produziert, als es die sonst üblichen Column Stills tun.

Der Woodford Reserve bietet ein tolles Vanillearoma und ist ein sehr ausgewogener Bourbon. Man hat Anmutungen von Kokos und tropischen Früchten, bevor die doch wahrnehmbare Eiche durchkommt.

Die Nummer 6: Otto Hajte Scotch Malt Whisky

Dieser (Single?) Malt ist mir ein kleines Rätsel, da die Herkunft dieses Whiskys unbekannt ist. Was bekannt ist, ist sein Alter und der Verkäufer. Ich habe diesen sehr chic verpackten Malt bei Otto Hatje Zigarren in der Alten Königstraße in Hamburg Altona erstanden.

ScotchSIngle Malt Whisky ausHamburg - Otto Hatje
Single Malt von Otto Hatje

Dieser Whisky ist jung, das merkt man direkt in der Nase und später auch am Gaumen, sehr starker, frischer und deutlich alkoholischer Antritt.

Mit etwas Zeit im Glas wird der Whisky süß und malzig, starke Eichentöne findet man hier nicht, damit war auch nicht zu rechnen. Der Whisky ist hellgelb, heller als Stroh und auch das ist nicht überraschend. Interessant ist bei dem Whisky auch, dass er sich gut zum Mixen eignet, einerseits weil er günstig  ist,  aber auch weil er durch seine  Jugend ein passend kräftiges und nicht zu komplexes Aroma besitzt und sich auch in einem Longdrink oder Cocktail gut durchsetzen kann.

6 Sommerwhiskys das Fazit

Die oben genannten Whiskys sind allesamt nicht rauchig, ich mag das im Winter oder bei Schietwetter  einfach lieber. Ich habe Freunde, die lieben rauchige Malts allerdings wenn sie ihren Grill angeschmissen haben, so unterschiedlich sind Geschmäcker.

Was denkst du, was ist dein liebster Sommerwhisky, oder trinkst du im Sommer lieber Rum oder Cognac? Ich freue mich  über deinen Kommentar!

Glenfarclas 105 – Liebestaumel aus dem Sherryfass

Bild eines Glenfarclas 105 (Flasche und Hülle)
Glenfarclas 105, Hülle und Flasche

Ich bin ein Fan rauchiger Whiskys, bei Whisky aus dem Sherryfass bin ich eher so etwas wie der schüchterne, verliebte Teenager, der nicht weiß, wie er seine Liebe gestehen möchte. An Rauch bin ich selbstbewusst und kaltschnäuzig Herangegangen und habe mir direkt einen Laphroaig geschnappt, an Sherry habe ich mich vorsichtig rangetastet und meine Grenzen ausgelotet, gerade wie bei einem Date.

Der 105er von Glenfarclas ist ein Whisky mit Fassstärke, der 10 Jahre in ehemaligen Sherryfässern lagerte und eine tiefdunkelrote Farbe erhielt, sicherlich nicht der Whisky, der am Anfang eines Dates mit Sherry steht. Er ist aber der Whisky, der dem ersten näheren Kennenlernen gleichkommt, mehr als Händchenhalten.

Der erste Schritt und das Kennenlernen – Woher kommt der Whisky und was ist drin?

Schaut man auf das Etikett des Glenfarclas 105, sticht zuerst die Zahl hervor. Weiß auf schwarzem Grund prangt sie dort und verspricht süße Genüsse. Was soll die 105 bedeuten? Sie ist ein Hinweis auf die sündige Stärke des Whiskys. Mit 105 britischen Proof hat der Glenfarclas 60 Volumenprozente Alkoholgehalt. Das ist eine ganze Menge und nicht zu verachten. Dass es sich um Fassstärke handelt wird durch das „Cask Strength“ hervorgehoben.

Das nächste Statement des Etiketts ist eine Herkunftsbezeichnung: „Highland Single Malt Scotch Whisky“. Hm…. Highland? Ich dachte immer an die Speyside bei Sherrywhisky, also mal die Suche angeschmissen und rausfinden, dass Glenfarclas im Ort Ballindalloch im Herzen der Speyside zu finden ist. Glenfarclas nutzt also den Oberbegriff „Highlands“, die Speyside gehört im Prinzip zu diesen. Okay, wir wissen was die Angebetete anhat und woher sie kommt, wie alt ist sie nur?

Die Familie Grant ist seit fast 200 Jahren, nämlich seit 1815 in Besitz der Destillerie, die Familie ist also alt. Das Etikett weist Glenfarclas 105 als 10 Jahre alt aus, für einen Whisky ist das sicher volljährig, wenn auch nicht alt. Wir können also davon ausgehen, dass es sich um einen ernstzunehmenden Single Malt handelt und nichts, was vor seiner Zeit das Fass verlassen musste.

Wir kommen uns näher – Du riechst so gut – Das Nosing

Okay, ich glaub der zweite Teil der Überschrift ist von Rammstein, aber er passt sehr gut. Wenn der gute Tropfen ins Glas perlt und man seine Nase näher heranführt, ist der erste Eindruck; nunja, eigentlich gar nicht so stark. Hm, wie kommt das? Arbeitet man ein wenig mit Wasser, wird es klar, der Alkohol will seine Aromen nicht so ohne weiteres freigeben. Bei 60% Alkohol kann man auch von einer ordentlichen Verdünnungsreserve ausgehen. Also flugs zwei drei Teelöffel Wasser auf den Dram und nochmal gerochen, herrlich. Als allererstes knallt der fruchtig-trockene Sherry und Würze.

Glenfarclas 105 Single Malt Whisky Etikett in Nahaufnahme
Das Etikett des Glenfarclas 105

Der erste Eindruck ist groß, viel größer als beim „normalen“ 10-jährigen Glenfarclas, der mit 40 % abgefüllt wird. Wir warten noch einige Minuten und führen uns das Glas immer mal wieder an unsere Nasen. Er entfaltet sich, wird von dunkler zu hellerer Frucht. Herrlich.

Die Kraft des Whiskys ist nicht zu unterschätzen, wir haben es mit einem starken und erstaunlich reifen Whisky zu tun. Es finden sich leichte Noten von Leder, nur ganz zart, und eine an leichten Rauch erinnernden Ton im Hintergrund, hinter dem starken Sherry und der Frucht.

Jetzt wird’s ernst – Der erste Kuss – Das Tasting

So, der Whisky ist so knapp unter 50 % verdünnt worden und hatte Zeit sich zu setzen und mir seine Aromenfracht in die Nase zu blasen. Jetzt kommen wir uns noch näher und ich setze das Glas an. Der erste Eindruck ist kräftig, stark und leicht überwältigend. Die alkoholische Stärke ist ganz klar da, ohne dass es fuselig wirkt oder gar alkoholisch schmecken würde. Dann läuft mir das Wasser im Mund zusammen, Trockenheit vom Sherry kommt durch, es gibt wahrnehmbare, aber nicht starke Bitterkeit, vielleicht Halbbitterschokolade und Frucht, dunkle Beeren, etwas Kirsche und Honig. Wirklich toll, die Würze vom Anfang bleibt die gesamte Zeit über, der Whisky füllt den Mund durchgehend aus, ich kann kaum sagen, wo die Flüssigkeit gerade ist und dann schlucke ich und merke, wie warm mein Hals wird. Und bleibt. Und bleibt. Und noch immer bleibt. Am Gaumen bleibt leichte Bitterkeit zurück, auf der Zunge ein leicht trockenes Gefühl und der Rachen ist warm, sehr angenehm warm.

Glenfarclas 105 – eine Liebe fürs Leben?

Wirklich, ganz großes Kino der Glenfarclas 105. Jedes einzelne der 105 Proof zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht und nun bin ich glücklich mit meiner Eroberung.

Fehlt etwas? Nein. Bei etwas über 30€ pro Liter (Stand Juni 2013) kann ich nichts entdecken, was mir fehlen würde. Es gibt den Glenfarclas 105 auch noch in einer 20 Jahre alten Version, hier kann ich die wirklich dunklen Sherrytöne erwarten, eine stärkere Bitterkeit und sicherlich so etwas wie eine ledrige, angenehme Note nach Herrensessel, aber hier greift der geneigte Genießer auch tiefer in die Tasche, denn einen 60 %igen Whisky in dem Alter hinzubekommen ist dank des geliebten „Angel Share“ nicht so einfach.

Insgesamt liebe ich diesen Whisky und bin froh, dass ich noch ein bisschen in meiner Bar habe. Weiter so, Glenfarclas.

 

 

 

Rauchiger Whisky – Hass oder Liebe?

Raue Seeluft, Salz, Tang und am Abend am Lagerfeuer sitzen, für viele ist das ihr Traum von Schottland, speziell ihr Traum von schottischem Whisky. Andere verbinden mit Schottland Blumen, saftige Wiesen und Heidekraut. Schottland mag ein kleines Land sein, seine Facetten sind aber zahlreich und jedes Schottlandbild ist individuell. Individuell wie der Whiskygeschmack.

So verschieden die Wahrnehmungen und Vorstellungen von Schottland sind, so unterschiedlich werden auch die verschiedenen Ausprägungen von Scotch wahrgenommen.

Um wenige Aspekte gibt es unterschiedlichere Wahrnehmungen als zur Frage: Soll Whisky rauchig sein oder nicht? Ich selbst bin  mit Laphroaig zum Scotch gekommen, dass ich also auch rauchigen Whisky mag ist also recht offensichtlich. Ein guter Freund hingegen liebt leichtere Sherrytönige Whiskys wie den Balvenie Doublewood und verabscheut meinen heißgeliebten Laphroaig.

Flasche und Karton des Lagavulin Single Malt Whiskys in der Distiller's Edition aus dem Travellers Retail. 1 liter.
Lagavulin Distiller’s Edition Single Malt Scotch Whisky

Jedem Tierchen sein Plaisierchen könnte man nun sagen und der Artikel wäre am Ende.

Ganz so ist es nicht. Rauchiger Whisky kann deutlich unterschiedliche Ausprägungen annehmen und somit vermute ich, dass (fast) jeder auch für Rauch im Whisky interessiert werden kann. Warum das wichtig ist? Die Aromenfracht, die Rauch mit sich bringt kann kaum überschätzt werden und es gibt rauchhaltige Whiskys, die andere Noten im Whisky, wie Sherry, Honig und schokoladige Bitterkeit, unterstützen, ohne sie zu übertünchen oder zu überwältigen.

Schinkenschnaps – Phenol ohne Ende – Islay helau

Wenn ich  von stark rauchigem Whisky rede, denke ich an Laphroaig, der Whisky, der mich an Scotch und seine Aromen rangeführt hat. Der erste Eindruck, den ich von ihm hatte war: „Wow, da ist ein Stück Räucherschinken in der Flasche“.

Viele der sehr stark mit Torf befeuerten Whiskys geben diese Note von sich. Phenol riecht für viele Menschen nach Jod und speziell diese Ausprägung an Whisky legt diese Assoziation auch nahe. Andere Vertreter der starken Schinkenschnaps-Fraktion sind der Smokehead und weitere Islay Whiskys. Einige dieser Whiskys sind leider recht eindimensional. Wo der Laphroaig in seiner 10 jährigen Ausprägung süße von Honig aus den Bourbonfässern mitbringt, ist der jüngere  Smokehead fast säuerlich bitter im Rachen und zeigt quasi keinen Einfluss des Fasses.

Ein feiner rauchiger Blended Malt ist der aktuell auslaufendeJohnnie Walker Green Label, ein fantastischer Whisky, der leider nicht mehr  in der aktuellen Range zu finden ist. Hier kommen die leichte Schärfe von Talikser und die Holzkohle Aromen von Caol Ila zusammen mit einigen weiteren aromatischen Malts zusammen um einen rauchigen, würzigen Blended Malt zu produzieren.

Insgesamt kann ich diesen Whisky nur in eher homöopathischen Dosen zu mir nehmen und habe auch nicht immer Lust  auf diese riesige Fracht. Im Winter oder  bei „Shietwetter“ habe ich deutlich eher Lust mir einen leckeren Quarter  Casks zu gönnen als im Sommer, wenn ich ohnehin schon öfters grille und meine Portion Rauch so bekomme.

Rauch plus X – Sherry und Rauch im Kampf um die Zunge

Eine spannende Kombination ist immer wieder ein in einem Sherryfass gelagerter Whisky. Viele Distiller’s Editionen / Spezialeditionen / Sonderabfüllungen verschiedener Brennereien und Konzerne fallen in diese Kategorie und das mit gutem Grund.

Bowmore ist ein gutes Beispiel, hier werden  rauchige Islay Whiskys gerne mit der Frucht aus Sherry verbunden. Heraus kommt dann gerne so etwas wie ein in Frucht mariniertes Grillsteak, delikat aber nicht für jeden das richtige. Lagavulin vertreibt eine vielgelobte und hoch  dekorierte Distiller’s Edition. Der große Islay Malt wird hier in Pedro Ximenez (eine sehr süße Ausprägung des Sherry) Fässern nachgelagert und erhält so Farbe und Frucht. Da der Lagavulin DE mit insgesamt 16 Jahren eine ordentliche Eichenfracht mitbringt und viel des jungen, heftigen Rauches schon sanfter geworden ist, entwickelt sich ein schön komplexer Malt, der fast alles mit sichbringt, was einen Whisky ausmacht, außer florale leichte Noten, aber hey, das ist ISLAY.

Ein wunderbarer rauchiger Whisky, der den Rauch mit weiteren Aromen verbindet ist der Talisker 10 Jahre. Hier verbindet sich kräftiger Rauch mit scharfem Pfeffer und einer gewissen Stärke im Mund, „beefy“ auf Englisch ist ein passender Begriff, auf Deutsch kann man vielleicht saftig-würzig sagen. Talisker ist in seiner Standardabfüllung nicht in Südweinfässern gelagert, mit der Distiller’s Edition und dem neuen Port Ruighe gibt es aber auch spezielle Abfüllungen, die noch eine Ladung Frucht mitbringen.

Weniger stark rauchig und mit einer Note nach etwas trockenem Sherry und duftig-würzigem Heidekraut ist der 12 jährige Highland Park, ein wirklich großartiger Whisky von den Orkneys im Nordwesten von Schottland. Hierbringt der leichte, aber wahrnehmbare Rauch die anderen Aromen geradezu prototypisch heraus und sorgt für die nötige Kraft um die leichten Töne nicht zu überdecken, sondern zu betonen. Das ist der Effekt, den man gern mit dem neumodischen Geschmack Umami verbindet.

Ein Räuchlein bitte – Whiskys mit einem Anflug von  Rauch

Es gibt Whisky, der nur eine feine Rauchnote bietet und ansonsten andere Geschmacksnoten betont werden. Ab und an habe ich diesen Eindruck auch von  Whisky, der bekanntermaßen ungetorft ist. Der Glenfarclas 105 ist so ein Kandidat, hier habe ich ihn häufig als würzig erlebt, gerade  während des Verdünnens (nein, ich  trinke 60 Volumenprozente nicht regelmäßig unverdünnt, nur wenn die anderen Jungs das auch tun 😉 ). Das hat aber eher mit Assoziation zu tun, als mit einem Phenolgehalt. Würze, die  der 105er nach meinem Empfinden reichlich hat, wirkt bei mir zumindest schnell wie  ein klein wenig Rauch.

Die  Whiskys aus der Woodsmoked Serie von Glen Els sind über Buche  geräuchert, da ist  auch deutlich weniger Phenol spürbar als bei Islay Whiskys. Auch hier wird die Frucht aus den Fässern herausgestellt und nicht übertüncht.

Leicht rauchig ist auch der bekannte Blend J&B rare von Justerini & Brooks. Hier bringt soweit ich weiß Caol Ila den Rauch  in den Blend, allerdings nicht sehr stark. Blends sind im Allgemeinen durch den Grain Whisky schön leicht und überfordern auch Anfänger nicht, hier kann man Beginnen, wenn man sich einmal entschließt auch rauchigen Whiskys eine Chance geben mag.

Rauch  im Whisky? – Ja bitte, die Dosis macht den Laphroaig

Ich bin für rauchige Whiskys, nur die Menge des Rauchs darf gerne variieren. Nicht jeder Whisky muss rauchig sein, ich bin kein Smokehead und Späße wie ein Pfund Torf in der Promominiatur des neuen Ardbeg Ardbog finde ich, mit Verlaub, ein bisschen übertrieben.

In jede Whisky Sammlung gehört aber ein schöner, rauchiger Whisky, nicht einmal unbedingt von Islay, auch Ardmore aus der Speyside hat da ordentlichen  Whisky zu bieten. Also liebe Rauchverächter, tut euch den Gefallen und tastet  euch (in doppeltem Sinn) mal an das Thema ran.

Macallan stellt angeblich seine Standardabfüllung um

Die 1824er Serie ersetzt Sherry- und Fine Oak

Laut Horst Lüning von der Webseite whisky.de wird Macallan die 10 und 12 jährigen Sherry Oak und die Fine Oak Abfüllungen zugunsten der neuen 1824 Serie mit den Abfüllungen Macallan Gold, Amber, Sienna und Ruby einstellen. Sobald ich eine Pressemitteilung oder eine ähnlich offizielle Quelle finde, werde ich den Link hier anfügen. Ich habe bereits eine Email an das Team von Beam Global geschickt, die den Vertrieb der neuen Range über ihre Signature Malts organisieren.

UPDATE: Die lieben Menschen von Beam Deutschland hat mir geantwortet, dass alle anderen Variationen außer der neuen 1824er Serie definitiv in Deutschland nicht mehr vertrieben werden. Im Fachhandel und in anderen Ländern sei dieser Whisky aber weiterhin durchaus verfügbar.

Wie war der Sherry Oak? Ich habe den Macallan Sherry Oak 10 years old vor etwa einem Jahr noch für circa 30 € erworben, der aktuelle Straßenpreis liegt etwa 20 € darüber, was für eine deutliche Verknappung der Bestände sprechen würde.

Der Macallan Sherry Oak war aus meiner Sicht ein sehr schöner, kräftiger Whisky mit einer großen Fruchtigkeit und einer leichten Bitterkeit im Abgang. Ich fand ihn für seinen damaligen Preis wirklich gut, für den aktuellen Preis würde ich ihn mir nicht kaufen, wenn man bedenkt, dass man hier schon Top 18 jährige Glenfarclas erhält, die deutlich mehr Sherry und Eiche aufrufen, oder einen leckeren 12 Jahre alten Aberlour, der vom Charakter aus meiner Sicht wirklich nah an den Sherry Macallan herankommt.

Ich bin auf jeden Fall an den neuen Abfüllungen interessiert und ich denke, dass die Einteilung nach Farben einen Sinn ergibt, trotzdem habe ich als Whiskykäufer bisher fast immer auch auf eine Altersangabe geachtet. Das liegt daran, dass ich selbst bei Second oder Third fill Fässern hier weiß, dass eine gewisse Menge Eiche mitkommen dürfte. Allerdings habe ich bei den Glen Els Whiskys festgestellt, dass die Jahre nicht immer was zum Alter sagen.

Nachhaltigkeit und Whisky

Oder „Alles Öko im Whisky oder was?“

Ich bin Abonnent des auf Englisch erscheinenden Whisky Magazine und in der aktuellen Ausgabe 111 bin ich auf einen sehr interessanten Artikel von Gavin D. Smith gestoßen. Der Titel des Artikels ist Enviromental awareness. Der Artikel beschäftigt sich, wie mein Titel und der Titel von Smith schon vermuten lassen mit dem Einfluss, den die Single Malt Whiskyherstellung in Schottland auf die Umwelt hat.

Ich halte dies für ein sehr interessantes Thema, zu dem ich auf Deutsch bisher wenig gefunden habe. Darum fühle ich mich jetzt bemüßigt, meinen Senf dazu zu geben.

Die Rohstoffe

Scotch wird bekanntlich aus Gerste und Wasser hergestellt, zu einem Teil auch aus Torf. Dazu brauch man natürlich auch noch einiges an Energie. Wenn Whisky nachhaltig und umweltverträglich sein soll, dann sind die Rohstoffe ein wesentlicher Punkt für die Bewertung.

Das Wasser für Whisky

Wasser ist der erste Rohstoff, den Gavin D. Smith behandelt. Wasser ist für Whisky unerlässlich, schließlich besteht er aus einer ganzen Menge Wasser, auch bei Fassstärke. Üblicherweise wird Whisky mit Wasser aus der örtlichen Trinkwasserversorgung verarbeitet.

Der weit größere Verbrauch an Wasser entsteht aber bei der Kühlung des Destillates! Dieses Wasser ist potenziell ein Problem für die Umwelt, da es sich bei der Kühlung stark aufheizt, was für viele Fische und Flußbewohner schädlich sein kann. Um die Auswirkungen gering zu halten werden die Destillerien sehr eng von der SEPA (Scottisch Enviroment Protection Agency) überwacht.

Smith zitiert Alan Winchester von Chivas Brothers Ltd. Mit einem Statement, dass sie sich Mühe geben wo es geht Hitze aus dem Wasser zu ziehen und diese zu nutzen. Dies bedeute für die 14 Stills die Chivas betreibt eine große Wasserersparnis. Diageo schafft es in seiner aktuellsten Destillerie bis zu 95% des Wasser über eine Wasseraufbereitung zu beziehen und so den Einfluss auf die Umwelt zu minimieren.

Dies wirft auf die heißgeliebten Worm Tubs einiger noch sehr klassich produzierender Destillerien ein anderes Licht. Hier ist eine regelmäßige Neueinspeisung wie in modernen Kühlkörpern nicht möglich. Hier scheinen insbesondere die Großen mit einem guten Beispiel voranzugehen.

Fabian’s Umweltnote: 1- (es geht immer noch etwas mehr)

Die Gerste für den Whisky – lokal oder globalisiert?

Neben dem Wasser für die Wash Tubs und für die Kühlung ist gerste der zweite wichtige Rohstoff.

Hier ist zum einen die Herkunft der Gerste wichtig, denn lange Transportwege bedeuten einen höheren Verbrauch von fossilen Brennstoffen und daraus folgenden Emissionen. Die Whiskyproduzenten sind in Schottland nicht dazu verpflichtet lokale Erzeugnisse zu nutzen, dies scheint aber auch nicht nötig und das hat mich überrascht. Circa 93 % aller Gerste wird aktuell in Schottland produziert und importiert wird das übrige Getreide aus Irland, England und sehr viel seltener aus Dänemark. Think global,, buy local, die Schotten machen es uns vor.

Zudem ist die Gerste auch immer effizienter geworden. Die aktuellen Gersten schaffen eine um 20% höhere Ausbeute an Alkohol als die hocheffiziente Golden Promise Gerste. So schaffen die jetzt genutzen Gersten pro Tonne 420 Liter Alkohol.

Die Verwendung lokaler Gerste würde ich durchaus als sehr umweltfreundlich bezeichnen. Soweit ich weiß ist allerdings nur ein kleiner Teil des Getreides wirklich „Bio“ nach EU-Norm. Hier muss zu bedenken gegeben werden, dass konventionelle Landwirtschaft durch den Einsatz von Dünger und Pestiziden einen größeren Einfluss auf die Umwelt hat, als ökologische Landwirtschaft. Wenn die SWA (Scotch Whisky Association) hier auch eine Empfehlung aussprechen würde, wäre der Umweltschutz sicherlich noch deutlich verbessert.

Fabian’s Umweltnote: 2 – (Abzüge gibt es für die Produzenten)

Fossiler Brennstoff – Torf im Whisky

Torf ist im Prinzip eine Vorstufe von Öl, allerdings deutlich jünger und eher in Mooren zu finden. Moore sind wertvolle Ökosysteme und ein Vergleich der einmal existenten Moorflächen mit den noch existierenden Mooren in Norddeutschen Torfabbaugebieten zeigt, was passieren kann, wenn aller Torf gestochen wurde.

Torf ist für die Herstellung bestimmter Whiskysorten unbedingt notwendig, allerdings ausschließlich als Aromenträge durch das so genannte „kilning“, also das „Stoppen“ des Mälzens. Hier erhält der Malt Whisky seine rauchigen Noten und manchmal auch seinen „Gestank“ nach Schinken oder Jod.

So, sind wir also alle die wir torfigen Laphroaig oder rauchigen Highland Park mögen schlimme Umweltsünder? In Smiths Artikel lässte er Graham Manson von Highland Park zu Wort kommen. Er versichert, dass der Abbau auf Orkney sehr genau mit der örtlichen Umweltbehörde abgestimmt wird und viel Geld in die Renaturierung der Moore investiert wird.

Für die Schottische Malt Whisky Industrie spricht, dass sie nur 0,5% des in Schottland abgebauten Torfs verbraucht und doch recht viel für die Erhaltung der Moore tut.

Fabian’s Umweltnote: 2- (Torf ist mit hoher Belastung für die Umwelt verbunden.

Ist Whisky Umweltfreundlich oder nicht? Ein Fazit:

Whisky ist aus meiner Sicht nicht öko, der Arikel zeigt aber, dass die Produzenten sich um hohe Effizienz bei der Benutztung von Rohstoffen kümmern. Der Artikel bleibt leider eine Information über die Energieeffizienz der Destillerien schuldig.

Es gibt, auch in der besprochenen Ausgabe des Whisky Magazine, Hinweise darauf, dass auch hier die Schotten sehr daran interessiert sind. So plant Diageo 2014 eine Destillerie mit angeschlossenem Biomassekraftwerk in direkter Nähe der Teaninich Destillerie bauen und viele andere Destillerien modernisieren wird. Man darf also sagen, dass die Konzerne sich bemühen ressourcenschonend und energieeffizient zu arbeiten. Sicherlich nicht nur deshalb, weil die gut für Schottlands Umwelt ist, sondern auch aus wirtschaftlichen und Marketing-Erwägungen, aber das macht den Effekt nicht weniger gut und sinnvoll.

Ich würde insgesamt eine 2 als abschließende Umweltnote geben wollen.

Was ist eure Meinung? Kommentiert oder schreibt mir!

Glen Els – Deutscher Whisky aus der Hammerschmiede

Deutscher Whisky: Glen Els aus der Hammerschmiede

Lecker Whisky aus Deutschland? Gerade mal fünf Jahre gereift? Auch noch im Harz? Gibt es das? Kurz: Ja, das gibt es und wie!

Mein Besuch in der Hammerschmiede

Im März 2013, bei einer Eiseskälte, manche mögen diese Kälte auch mit einem rückwärtigen Körperteil in Verbindung bringen, wie ich sie im März bisher noch nicht erlebt habe, verbrachte ich ein schönes Wochenende im Harz. Der Besuch bei der Hammerschmiede war ein Weihnachtsgeschenk, zugegeben war ich zuerst skeptisch, aber als wir dann am Samstag früh um kurz vor 11 in Zorge ankamen, wich die Skepsis doch der Aufregung und dem Interesse.

Der Vorraum schien von einer ganzen Meute Interessierter besetzt, wir drängten uns dann mit leichtem Nachdruck und unter freundlicher Leitung einer Mitarbeiterin in den großzügigen Verkaufsraum. Hier würde dem geneigten Whiskyconnoiseur direkt klar, dass die Hammerschmiede nicht nur eine Whiskydestillerie ist, sondern einige andere Brände und Liköre im Angebot hat, dazu aber später mehr.

Wir erwarben zwei Karten für eine Besichtigung zu je 5 € und waren direkt erfreut, dass jeweils vier Proben inklusive waren! Da die erste Führung gerade begonnen hatte und der nette Mitarbeiter uns versicherte, dass er uns ein paar Minuten später durch den Betrieb führen würde, starteten wir direkt mit einer ersten Kostprobe. Ich entschied mich als erstes für etwas mildes, was beim Glen Els die Standardabfüllung „The Journey“ sei, so der nette Mitarbeiter.

The Journey, die Standardabfüllung des Glen Els

Der Journey ist die erste regelmäßige Abfüllung von Glen Els und ist eine Assemblage aus sechs verschiedenen Fasstypen (man dürfte auch Blend sagen, aber das führt unter Umständen zu Mißverständnissen, Glen Els macht ausschließlich Single Malts). Der Journey enthält Whisky aus Sherry, Portwein, Madeira, Marsala, Malaga und zu Guter letzt noch grand Cru Bordeaux- Fässern. Die Lagerdauer ist nicht angegeben, der Destilleriebesitzer sagte später, dass die Whiskies 4 bis 6 Jahre gelagert seien.

Flasche und Karton vom Glen Els Whisky aus der Hammerschmiede in Zorge (Harz).
Deutscher Whisky Glen Els aus der Hammerschmiede

Vollständige Tastingnotes konnte ich hier noch nicht erstellen, der Eindruck war vor allem: Hey, der ist doch ein Stück älter? Und süß, wirklich lecker süß! Der Whisky ist recht dunkel, vor allem rötliche Töne herrschen im Glas vor, da denkt man doch bei so jungem Whisky an E150! Aber nix da! Unchillfiltered & uncoloured ist auf der Flasche neben den 43 Volumenprozenten zu lesen, das erfreut doch das Auge und stimmt den Gaumen noch positiver ein, wir mögen natürliche Produkte.

Insgesamt also ein erster wirklich positiver Eindruck!

The Unique: Die 2012er Distillery Edition

Meine liebe, sonst nie Whisky trinkende, Begleitung testete als Portweinliebhaberin den Woodsmoked Ruby Port und war begeistert, da war ich natürlich interessiert! Ich stöberte ein wenig und stellte fest, dass die aktuelle Distillery Edition auch aus dem, erstbefüllten, Portweinfass stammt. Port mag ich sehr gerne, Whisky aus Portweinfässern, wie den großartigen Glenmorangie Quinta Ruban, liebe ich.

Der Unique kommt rötlich daher und ist etwas heller, als die vier Jahre erwarten lassen wenn man ihn mit dem Journey vergleicht. Der Whisky hat ein ganz deutliches Portweinaroma und wirkte, wie der Journey, reifer als das junge Alter vermuten ließen. Die Frage, die sich mir stellte, war: Wie kriegen die das hin? Die Frage wurde mir nach kurzer Zeit beantwortet.

Die Besichtigung

Der nette Herr, der mir den Whisky eingeschenkt hatte, führte mich und die mittlerweile wieder stark angewachsene Zahl der Besucher in einen Raum mit einigen in Tische eingelassenen Flaschen, einer kleinen Destille und einigen wenigen Fässern.

Uns wurde dann kurzweilig erklärt, wie die Hammerschmiede zum Brennen gekommen war, über einen eigenen Kräuterlikör in dem Restaurant des Besitzers, der auch heute noch als „Schmiedefeuer“ vertrieben wird, und wie aktuell Obst und Kräuterbrände,sowie Liköre hergestellt werden und wie die Hammerschmiede zum aktuellen Gebäude kam, welches zuvor ein Kulturzentrum war. Die Ausführungen waren durchaus interessant und man konnte einige Geruchsproben nehmen, da aber die Gruppe recht groß war, konnte man nicht recht von einem Nosing sprechen.

Dann ging es an den Teil, für den ich in den Harz gekommen war: Whisky.

Der Herstellungsprozess von Whisky und die verschiedenen für den Glen Els genutzten Verfahren wurden erklärt, normal gemälzte Gerste, stark geröstete Gerste und eine über Buchenholz geräucherte Gerste. Moment. Rauch? Whisky? Da muss doch Torf ran!?

Ja. Aber nun einmal nachdenken. Warum nutzen und nutzten die Schotten Torf bei der Produktion? Weil der Torf der einzige Brennstoff war, der günstig verfügbar war. Der übliche Harzer, kroch nunmal nicht unter den Baum um den Torf, der durchaus vorhanden ist, zu stechen. Nein, der Harzer fällt einfach den Baum und verfeuert diesen. Um also einen Whisky herzustellen, der den harz auch repräsentieren kann, nutzt die Hammerschmiede also das „Woodsmoking“, also das Räuchern, welches zum Beispiel auch bei Forellen einen entsprechend leckeren Effekt erzielt.

So, die Rohstoffe waren geklärt, das Wasser kommt aus dem Elsbach, deshalb auch Glen Els, was ist nun wichtig? Richtig. Destillieren und lagern.

Der Destillationsprozess wurde an einer circa 50 Liter fassenden kupfernen Destille, in der die ersten Brände der Hammerschmiede entstanden, erläutert.

Das Fasslager

Hinter dem beschrieben Raum, der zum Besucherempfang dient, liegt das Fasslager (ein weiteres Lager gibt es wohl in einem anderen Gebäude, in dem die Destillerie vorher untergebracht war). Es lagern aktuell wohl circa 200 Fässer mit Whisky, oder mit werdendem Whisky, fast ausschließlich Fässern, in denen zuvor Südweine ausgebaut wurden und einige wenige frischere Fässer, die keinen Wein enthielten.

Fasslager für Glen Els Whisky aus der Hammerschmiede
Fässer in denen Glen Els lagert

Die Fässer werden im Winter Temperaturen von bis zu 0° Celsius ausgesetzt, im Sommer werden hingegen bis zu 35° erreicht. Dies ist laut Hersteller auch der Grund dafür, dass bereits junger Whisky vergleichsweise reif schmecken kann. Für den Hersteller hat das ganze einen gravierenden Nachteil: Der Angel’s Share ist deutlich höher, als dies bei anderen Lagerbedingungen der Fall wäre. In der Hammerschmiede gehen sie von 4 bis 10 % Verlust an Volumen pro Jahr aus, was wirklich sehr viel ist, die Schotten verlieren wohl maximal 4 % pro Jahr.

Dies führt dazu, dass die Einzelfassabfüllungen nach fünf Jahren zum Teil nur 250 Flaschen zu 0,7l hergeben.

In den Lagerräumen findet sich auch ein großer Tank um mehrere Fässer zu mischen, oder um Einzelfässer gut zu durchmischen und eine homogenere Flüssigkeit zu erreichen.

Neben dieser Besonderheit finden sich auch das Flaschenlager und der Versand im Fasslager, der Versand geschieht wie alles in Handarbeit, besonders aufregend ist dies aber nicht.

Spannender wurde es wieder nach der nächsten Tür, nun ging es um den Vorgang der Destillation.

Die Destillation

In einem kleinen Raum findet sich ein Tisch um den herum mehrere Arbeitsplätze zu sehen sind und die Hauptattraktion, das kupferne Brenngerät. Ist es eine Pot Still, ist es eine Column Still? Es ist im Prinzip beides, sozusagen eine PotColumn Still. Im Bild ist die rechte seite von zwei bauchigen Kupferbehälter zu sehen. Im untersten wird die Maische gebrannt, diese steigt nach oben auf und verdunstet zum Teil wieder, der est gelangt über das geistrohr in den nächsten Behälter. Dieser erste Vorgang ist dem Pot Still Verfahren ähnlich, nur ist alles wsentlich kleiner, es passen nur Rohstoffe für 250l Destillat in dieses Gerät.

Im zweiten Teil kann der Brennmeister entweder eine vierfache Säulendestillation verwenden und so sehr reinen, aber geschmacklich neutraleren, Alkohol herstellen oder die Säulen öffnen und somit nur eine zweite Feinbrennung vornehmen. Für Whisky wird zweimal destilliert, Wodka hingegen kann somit fünffach destilliert werden.

Die kupferne bauchige Destille dient in der Hammerschmiede unter anderem dazu den Glen Els herzustellen.
Der Destillierapparat der Hammerschmiede

Ein weiterer Hinweis, den uns der Guide gab, war, dass die jeweiligen Mittelläufe, als das was zwischen dem eigentlichen Brand und den ungenießbaren Vor und Nachläufen als Übergang steht, noch einmal separat gebrannt wird um das gute daraus nicht verkommen zu lassen und trotzdem einen feinen und aromatischen Brand zu erzielen.

Die Glen Els Whisky Verkostung

Nach dem informativen Teil, ging es nun zum noch angenehmeren Teil der Besichtigung über: Der Verkostung. Da ich schon zwei Proben verkostet hatte und meine Begleiterin die Woodsmoked Serie so gelobt hatte, ging ich dazu über mich durch diese Serie zu probieren.

Die Woodsmoked Serie ist wie weiter oben beschrieben aus über Buchenholz geräuchertem Malz hergestellt und anschließend in verschiedenen Einzelfässern gelagert.

Ich begann mit einem fünf Jahre im Bordeauxfass gelagerten Whisky. Die Farbe ist rötlich und weist auf ein erstbefülltes Fass hin, ein blick auf die Flasche bestätigt dies und versichert den geneigten Genießer, dass es sich hier nicht um Zuckercoleur handelt. In der Nase hat man eine deutliche Frucht und eine gewisse Würze, ist das der Rauch? Im Mund entfaltet sich der Whisky zuerst langsam und gibt dann seine Süße frei und wird dann schwer, wie ein schöner trockener Bordeaux, nur ohne dessen Säure.

Nummer zwei war ein im Madeirafass gelagerter fünfjähriger Whisky. Madeira hat als aufgespriteter Starkwein einen anderen Effekt auf das Fass als Bordeaux, sodass der Whisky würzigere Noten aus dem Fass zu ziehen scheint und deutlich trockener wirkt. Gleichzeitig ist eine ganz leichte Öligkeit zu vernehmen. In der Nase wurde der Whisky mit ein wenig Wasser deutlich offener und gab leichte Töne von Rosinen frei. Der Abgang war warm aber nicht sehr lang.

Nach einer kleinen Erholungspause gönnte ich mir noch einen als „Dark Sherry“ bezeichneten fünfjährigen Whisky. Der Whisky hat einen sehr klaren Geschmack, aromatisch aber nicht so ölig wie etwa ein Old Pulteney, eher in Richtung eines im Sherry nachgelagerten Glenlivet. Die Früchte, die man in der Nase verspürt sind deutlich dunkel, aber nicht etwa wie aus dem Rumtopf, sondern wie in einem Obstboden noch mit etwas stärkerer Fruchtigkeit.

Die Whiskys sind zusammengefasst eines: Wirklich lecker und überraschend reif. Ich habe einen fünfjährigen schottischen Single Malt zum Vergleich herangezogen und muss sagen, dass dort eine viel stärkere metallische Schärfe zu finden ist, als dies bei den Harzer Single Malt Whiskys der Fall ist.

Ich bin also geneigt zu glauben, dass der Einfluss des Fasslagers in diesem Fall unter den genannten klimatischen Bedingungen steigt und der große Verlust an Whiskymenge hier einem wirklich schönen Produkt gegenübersteht.