Nachhaltigkeit und Whisky

Oder „Alles Öko im Whisky oder was?“

Ich bin Abonnent des auf Englisch erscheinenden Whisky Magazine und in der aktuellen Ausgabe 111 bin ich auf einen sehr interessanten Artikel von Gavin D. Smith gestoßen. Der Titel des Artikels ist Enviromental awareness. Der Artikel beschäftigt sich, wie mein Titel und der Titel von Smith schon vermuten lassen mit dem Einfluss, den die Single Malt Whiskyherstellung in Schottland auf die Umwelt hat.

Ich halte dies für ein sehr interessantes Thema, zu dem ich auf Deutsch bisher wenig gefunden habe. Darum fühle ich mich jetzt bemüßigt, meinen Senf dazu zu geben.

Die Rohstoffe

Scotch wird bekanntlich aus Gerste und Wasser hergestellt, zu einem Teil auch aus Torf. Dazu brauch man natürlich auch noch einiges an Energie. Wenn Whisky nachhaltig und umweltverträglich sein soll, dann sind die Rohstoffe ein wesentlicher Punkt für die Bewertung.

Das Wasser für Whisky

Wasser ist der erste Rohstoff, den Gavin D. Smith behandelt. Wasser ist für Whisky unerlässlich, schließlich besteht er aus einer ganzen Menge Wasser, auch bei Fassstärke. Üblicherweise wird Whisky mit Wasser aus der örtlichen Trinkwasserversorgung verarbeitet.

Der weit größere Verbrauch an Wasser entsteht aber bei der Kühlung des Destillates! Dieses Wasser ist potenziell ein Problem für die Umwelt, da es sich bei der Kühlung stark aufheizt, was für viele Fische und Flußbewohner schädlich sein kann. Um die Auswirkungen gering zu halten werden die Destillerien sehr eng von der SEPA (Scottisch Enviroment Protection Agency) überwacht.

Smith zitiert Alan Winchester von Chivas Brothers Ltd. Mit einem Statement, dass sie sich Mühe geben wo es geht Hitze aus dem Wasser zu ziehen und diese zu nutzen. Dies bedeute für die 14 Stills die Chivas betreibt eine große Wasserersparnis. Diageo schafft es in seiner aktuellsten Destillerie bis zu 95% des Wasser über eine Wasseraufbereitung zu beziehen und so den Einfluss auf die Umwelt zu minimieren.

Dies wirft auf die heißgeliebten Worm Tubs einiger noch sehr klassich produzierender Destillerien ein anderes Licht. Hier ist eine regelmäßige Neueinspeisung wie in modernen Kühlkörpern nicht möglich. Hier scheinen insbesondere die Großen mit einem guten Beispiel voranzugehen.

Fabian’s Umweltnote: 1- (es geht immer noch etwas mehr)

Die Gerste für den Whisky – lokal oder globalisiert?

Neben dem Wasser für die Wash Tubs und für die Kühlung ist gerste der zweite wichtige Rohstoff.

Hier ist zum einen die Herkunft der Gerste wichtig, denn lange Transportwege bedeuten einen höheren Verbrauch von fossilen Brennstoffen und daraus folgenden Emissionen. Die Whiskyproduzenten sind in Schottland nicht dazu verpflichtet lokale Erzeugnisse zu nutzen, dies scheint aber auch nicht nötig und das hat mich überrascht. Circa 93 % aller Gerste wird aktuell in Schottland produziert und importiert wird das übrige Getreide aus Irland, England und sehr viel seltener aus Dänemark. Think global,, buy local, die Schotten machen es uns vor.

Zudem ist die Gerste auch immer effizienter geworden. Die aktuellen Gersten schaffen eine um 20% höhere Ausbeute an Alkohol als die hocheffiziente Golden Promise Gerste. So schaffen die jetzt genutzen Gersten pro Tonne 420 Liter Alkohol.

Die Verwendung lokaler Gerste würde ich durchaus als sehr umweltfreundlich bezeichnen. Soweit ich weiß ist allerdings nur ein kleiner Teil des Getreides wirklich „Bio“ nach EU-Norm. Hier muss zu bedenken gegeben werden, dass konventionelle Landwirtschaft durch den Einsatz von Dünger und Pestiziden einen größeren Einfluss auf die Umwelt hat, als ökologische Landwirtschaft. Wenn die SWA (Scotch Whisky Association) hier auch eine Empfehlung aussprechen würde, wäre der Umweltschutz sicherlich noch deutlich verbessert.

Fabian’s Umweltnote: 2 – (Abzüge gibt es für die Produzenten)

Fossiler Brennstoff – Torf im Whisky

Torf ist im Prinzip eine Vorstufe von Öl, allerdings deutlich jünger und eher in Mooren zu finden. Moore sind wertvolle Ökosysteme und ein Vergleich der einmal existenten Moorflächen mit den noch existierenden Mooren in Norddeutschen Torfabbaugebieten zeigt, was passieren kann, wenn aller Torf gestochen wurde.

Torf ist für die Herstellung bestimmter Whiskysorten unbedingt notwendig, allerdings ausschließlich als Aromenträge durch das so genannte „kilning“, also das „Stoppen“ des Mälzens. Hier erhält der Malt Whisky seine rauchigen Noten und manchmal auch seinen „Gestank“ nach Schinken oder Jod.

So, sind wir also alle die wir torfigen Laphroaig oder rauchigen Highland Park mögen schlimme Umweltsünder? In Smiths Artikel lässte er Graham Manson von Highland Park zu Wort kommen. Er versichert, dass der Abbau auf Orkney sehr genau mit der örtlichen Umweltbehörde abgestimmt wird und viel Geld in die Renaturierung der Moore investiert wird.

Für die Schottische Malt Whisky Industrie spricht, dass sie nur 0,5% des in Schottland abgebauten Torfs verbraucht und doch recht viel für die Erhaltung der Moore tut.

Fabian’s Umweltnote: 2- (Torf ist mit hoher Belastung für die Umwelt verbunden.

Ist Whisky Umweltfreundlich oder nicht? Ein Fazit:

Whisky ist aus meiner Sicht nicht öko, der Arikel zeigt aber, dass die Produzenten sich um hohe Effizienz bei der Benutztung von Rohstoffen kümmern. Der Artikel bleibt leider eine Information über die Energieeffizienz der Destillerien schuldig.

Es gibt, auch in der besprochenen Ausgabe des Whisky Magazine, Hinweise darauf, dass auch hier die Schotten sehr daran interessiert sind. So plant Diageo 2014 eine Destillerie mit angeschlossenem Biomassekraftwerk in direkter Nähe der Teaninich Destillerie bauen und viele andere Destillerien modernisieren wird. Man darf also sagen, dass die Konzerne sich bemühen ressourcenschonend und energieeffizient zu arbeiten. Sicherlich nicht nur deshalb, weil die gut für Schottlands Umwelt ist, sondern auch aus wirtschaftlichen und Marketing-Erwägungen, aber das macht den Effekt nicht weniger gut und sinnvoll.

Ich würde insgesamt eine 2 als abschließende Umweltnote geben wollen.

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