Rauchiger Whisky – Hass oder Liebe?

Raue Seeluft, Salz, Tang und am Abend am Lagerfeuer sitzen, für viele ist das ihr Traum von Schottland, speziell ihr Traum von schottischem Whisky. Andere verbinden mit Schottland Blumen, saftige Wiesen und Heidekraut. Schottland mag ein kleines Land sein, seine Facetten sind aber zahlreich und jedes Schottlandbild ist individuell. Individuell wie der Whiskygeschmack.

So verschieden die Wahrnehmungen und Vorstellungen von Schottland sind, so unterschiedlich werden auch die verschiedenen Ausprägungen von Scotch wahrgenommen.

Um wenige Aspekte gibt es unterschiedlichere Wahrnehmungen als zur Frage: Soll Whisky rauchig sein oder nicht? Ich selbst bin  mit Laphroaig zum Scotch gekommen, dass ich also auch rauchigen Whisky mag ist also recht offensichtlich. Ein guter Freund hingegen liebt leichtere Sherrytönige Whiskys wie den Balvenie Doublewood und verabscheut meinen heißgeliebten Laphroaig.

Flasche und Karton des Lagavulin Single Malt Whiskys in der Distiller's Edition aus dem Travellers Retail. 1 liter.
Lagavulin Distiller’s Edition Single Malt Scotch Whisky

Jedem Tierchen sein Plaisierchen könnte man nun sagen und der Artikel wäre am Ende.

Ganz so ist es nicht. Rauchiger Whisky kann deutlich unterschiedliche Ausprägungen annehmen und somit vermute ich, dass (fast) jeder auch für Rauch im Whisky interessiert werden kann. Warum das wichtig ist? Die Aromenfracht, die Rauch mit sich bringt kann kaum überschätzt werden und es gibt rauchhaltige Whiskys, die andere Noten im Whisky, wie Sherry, Honig und schokoladige Bitterkeit, unterstützen, ohne sie zu übertünchen oder zu überwältigen.

Schinkenschnaps – Phenol ohne Ende – Islay helau

Wenn ich  von stark rauchigem Whisky rede, denke ich an Laphroaig, der Whisky, der mich an Scotch und seine Aromen rangeführt hat. Der erste Eindruck, den ich von ihm hatte war: „Wow, da ist ein Stück Räucherschinken in der Flasche“.

Viele der sehr stark mit Torf befeuerten Whiskys geben diese Note von sich. Phenol riecht für viele Menschen nach Jod und speziell diese Ausprägung an Whisky legt diese Assoziation auch nahe. Andere Vertreter der starken Schinkenschnaps-Fraktion sind der Smokehead und weitere Islay Whiskys. Einige dieser Whiskys sind leider recht eindimensional. Wo der Laphroaig in seiner 10 jährigen Ausprägung süße von Honig aus den Bourbonfässern mitbringt, ist der jüngere  Smokehead fast säuerlich bitter im Rachen und zeigt quasi keinen Einfluss des Fasses.

Ein feiner rauchiger Blended Malt ist der aktuell auslaufendeJohnnie Walker Green Label, ein fantastischer Whisky, der leider nicht mehr  in der aktuellen Range zu finden ist. Hier kommen die leichte Schärfe von Talikser und die Holzkohle Aromen von Caol Ila zusammen mit einigen weiteren aromatischen Malts zusammen um einen rauchigen, würzigen Blended Malt zu produzieren.

Insgesamt kann ich diesen Whisky nur in eher homöopathischen Dosen zu mir nehmen und habe auch nicht immer Lust  auf diese riesige Fracht. Im Winter oder  bei „Shietwetter“ habe ich deutlich eher Lust mir einen leckeren Quarter  Casks zu gönnen als im Sommer, wenn ich ohnehin schon öfters grille und meine Portion Rauch so bekomme.

Rauch plus X – Sherry und Rauch im Kampf um die Zunge

Eine spannende Kombination ist immer wieder ein in einem Sherryfass gelagerter Whisky. Viele Distiller’s Editionen / Spezialeditionen / Sonderabfüllungen verschiedener Brennereien und Konzerne fallen in diese Kategorie und das mit gutem Grund.

Bowmore ist ein gutes Beispiel, hier werden  rauchige Islay Whiskys gerne mit der Frucht aus Sherry verbunden. Heraus kommt dann gerne so etwas wie ein in Frucht mariniertes Grillsteak, delikat aber nicht für jeden das richtige. Lagavulin vertreibt eine vielgelobte und hoch  dekorierte Distiller’s Edition. Der große Islay Malt wird hier in Pedro Ximenez (eine sehr süße Ausprägung des Sherry) Fässern nachgelagert und erhält so Farbe und Frucht. Da der Lagavulin DE mit insgesamt 16 Jahren eine ordentliche Eichenfracht mitbringt und viel des jungen, heftigen Rauches schon sanfter geworden ist, entwickelt sich ein schön komplexer Malt, der fast alles mit sichbringt, was einen Whisky ausmacht, außer florale leichte Noten, aber hey, das ist ISLAY.

Ein wunderbarer rauchiger Whisky, der den Rauch mit weiteren Aromen verbindet ist der Talisker 10 Jahre. Hier verbindet sich kräftiger Rauch mit scharfem Pfeffer und einer gewissen Stärke im Mund, „beefy“ auf Englisch ist ein passender Begriff, auf Deutsch kann man vielleicht saftig-würzig sagen. Talisker ist in seiner Standardabfüllung nicht in Südweinfässern gelagert, mit der Distiller’s Edition und dem neuen Port Ruighe gibt es aber auch spezielle Abfüllungen, die noch eine Ladung Frucht mitbringen.

Weniger stark rauchig und mit einer Note nach etwas trockenem Sherry und duftig-würzigem Heidekraut ist der 12 jährige Highland Park, ein wirklich großartiger Whisky von den Orkneys im Nordwesten von Schottland. Hierbringt der leichte, aber wahrnehmbare Rauch die anderen Aromen geradezu prototypisch heraus und sorgt für die nötige Kraft um die leichten Töne nicht zu überdecken, sondern zu betonen. Das ist der Effekt, den man gern mit dem neumodischen Geschmack Umami verbindet.

Ein Räuchlein bitte – Whiskys mit einem Anflug von  Rauch

Es gibt Whisky, der nur eine feine Rauchnote bietet und ansonsten andere Geschmacksnoten betont werden. Ab und an habe ich diesen Eindruck auch von  Whisky, der bekanntermaßen ungetorft ist. Der Glenfarclas 105 ist so ein Kandidat, hier habe ich ihn häufig als würzig erlebt, gerade  während des Verdünnens (nein, ich  trinke 60 Volumenprozente nicht regelmäßig unverdünnt, nur wenn die anderen Jungs das auch tun 😉 ). Das hat aber eher mit Assoziation zu tun, als mit einem Phenolgehalt. Würze, die  der 105er nach meinem Empfinden reichlich hat, wirkt bei mir zumindest schnell wie  ein klein wenig Rauch.

Die  Whiskys aus der Woodsmoked Serie von Glen Els sind über Buche  geräuchert, da ist  auch deutlich weniger Phenol spürbar als bei Islay Whiskys. Auch hier wird die Frucht aus den Fässern herausgestellt und nicht übertüncht.

Leicht rauchig ist auch der bekannte Blend J&B rare von Justerini & Brooks. Hier bringt soweit ich weiß Caol Ila den Rauch  in den Blend, allerdings nicht sehr stark. Blends sind im Allgemeinen durch den Grain Whisky schön leicht und überfordern auch Anfänger nicht, hier kann man Beginnen, wenn man sich einmal entschließt auch rauchigen Whiskys eine Chance geben mag.

Rauch  im Whisky? – Ja bitte, die Dosis macht den Laphroaig

Ich bin für rauchige Whiskys, nur die Menge des Rauchs darf gerne variieren. Nicht jeder Whisky muss rauchig sein, ich bin kein Smokehead und Späße wie ein Pfund Torf in der Promominiatur des neuen Ardbeg Ardbog finde ich, mit Verlaub, ein bisschen übertrieben.

In jede Whisky Sammlung gehört aber ein schöner, rauchiger Whisky, nicht einmal unbedingt von Islay, auch Ardmore aus der Speyside hat da ordentlichen  Whisky zu bieten. Also liebe Rauchverächter, tut euch den Gefallen und tastet  euch (in doppeltem Sinn) mal an das Thema ran.

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